Bericht zur 9. Spieleautorentagung in Weilburg

Weil Manu (und bestimmt mancher Leser auch) nicht dabei sein konnte, werde ich Euch jetzt ein paar exemplarische Eindrücke von der Spieleautorentagung mitgeben, die am 20.-23. März 2015 in Weilburg stattfand. Zuallererst einmal war es sehr spannend, viele bekannte Gesichter aus der Szene zu sehen und Gespräche mit den alten Hasen führen zu können. Für mich war es die erste Tagung und ich werde mir diese Chance in den kommenden Jahren nicht nochmal entgehen lassen!

Inhaltlich war ein gewisser Ruck spürbar. Sowohl Uli Blennemann als auch Uli Blum hielten ziemlich überspitzte Vorträge. Ihnen zufolge stehen die deutschen Spieleautoren nach den Erfolgsjahren der „German Games“ heute in einer Krise. Wir reduzieren unsere Spiele nur noch auf den Mechanismus, das Thema ist völlig beliebig. Wir machen nur genau solche Spiele, die in eine „Spiel des Jahres“-Kategorie passen könnten und töten damit unsere eigene Kreativität. Unsere Spiele führen nur noch Ergebnisse herbei statt Erlebnisse. Beide Vorträge rüttelten uns sehr auf und regten dazu an, das eigene Spiel spannender zu gestalten. Zum Beispiel durch innere und äußere Konflikte, die Matthias Nagy (den Manu in Nürnberg interviewt hat) in seinem Vortrag am Sonntag als „das Salz in der Spielesuppe“ bezeichnet hat.

Auch viele Workshops drehten sich darum, was ein Spiel neben dem puren Mechanismus zu bieten hat. Ich habe mich zum Beispiel unter der Leitung von Steffen Rühl mit Storytelling in Brettspielen beschäftigt. Da konnte ich lernen, wie eine klassische Geschichte aussieht und welche archetypischen Rollen es geben kann. Steffen hat aber auch viele brettspiel-spezifische Anregungen gegeben: Wie schafft man es, dass sich die Spieler mit ihrer Rolle identifizieren? Müssen die Spieler immer Helden sein? Könnten sie zum Beispiel auch das fiktive Bewusstsein eines Planeten übernehmen? Auch Mechanismen können sehr atmosphärisch die Geschichte des Spiels prägen.

Christwart Conrad, der die Spieleautorentagung erstmals quasi alleine organisiert hat, konnte auch einige externe Referenten gewinnen. Die Spieleschmiede erklärte uns, wie wir als Autoren unser Spiel über Crowdfunding veröffentlichen können. Der Rechtsanwalt Gregor Theado klärte uns über die Rechtsverhältnisse auf, was Namen von Veröffentlichungen oder Eigenmarken angeht. Und die Firma NXP demonstrierte uns ihre Technologie „Near Field Communication“ (=Interaktion durch nahes Heranhalten eines Objekts, umgesetzt z.B. in modernen Verkehrsmitteln oder im Videospiel „Skylanders“), sodass viele von uns Lust auf Technik im Brettspiel bekommen haben.

Wie man meinem bruchstückhaften Text sicherlich entnehmen kann, war das Ganze ein sehr inhaltsreiches und inspirierendes Wochenende. Es ist ein Tagungsband geplant, der neben aktuellen Inhalten auch die letzten beiden Tagungen enthalten soll. Außerdem hat Daniel Danzer einige Vorträge mitgefilmt, die später wahrscheinlich auf der Seite www.spieleautorentagung.de zu sehen sind. Ich hoffe, dass die Tagung in den kommenden Jahren weiter bestehen kann und kann sie jedem von Euch nur wärmstens ans Herz legen!

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