Billard – Eine Game Design Analyse

Billard ist ein Geschicklichkeitsspiel und für mich ein Sinnbild für gutes Game Design. Wieso möchte ich in diesem Beitrag gerne erklären. 

 

– Spielbeschreibung –   

Doch Billard ist nicht gleich Billard. Es gibt viele Varianten. Ich werde im Folgenden von der Poolvariante sprechen:

Poolbillard ist eine Variante des Billards, bei der es darum geht, mit einem weißen Spielball farbige Objektbälle nach bestimmten Regeln in sechs Taschen zu spielen (einzulochen). Der Spielball wird dabei als einzige Kugel mithilfe des Queues gespielt. Die Spieler haben abwechselnd je eine Aufnahme. Die Aufnahme ist beendet, wenn der Spieler in einem Stoß keine Kugel regelgerecht lochen konnte.” Wikipedia, S. 1, 2015, (https://de.wikipedia.org/wiki/Billard)

Beim Poolbillard wiederum gibt es verschiedene Diziplinen. Die meistgespielte und bekannteste in Deutschland ist die 8-Ball Diziplin:

“Beim 8-Ball wird mit allen fünfzehn Objektbällen und einem Spielball gespielt. Die Kugeln mit den Nummern eins bis sieben sind komplett farbig und werden daher die Vollen genannt. Im Gegensatz dazu ist bei den Kugeln neun bis fünfzehn jeweils nur ein Streifen farbig und der Rest weiß, daher werden diese auch die Halben genannt. Beide Spieler müssen zunächst versuchen, ihre Farbgruppe komplett zu lochen, um dann die schwarze Acht versenken zu dürfen, was bei korrekter Ausführung zum Gewinn des Spieles führt.”  Wikipedia, S. 1, 2015, (https://de.wikipedia.org/wiki/8-Ball)

Wenn ich im Folgenden also von Billard rede, meine ich die 8-Ball Diziplin. 

Billard hat einfache aber klar verständliche Regeln und ist deshalb auch schnell gelernt. Losgespielt werden kann nach einer kleinen Einführung eigentlich sofort. Auch die Spielmechanik ist sehr simpel. So wird im Prinzip ja nur mit dem Queue eine neutrale Kugel angestoßen mit der wiederum eine weitere Kugel angestoßen werden soll, welche im besten Fall in einer der sechs Taschen (Löcher) am Rande des Spielfelds eingelocht werden soll. Klar ist, wer den Umgang mit dieser Mechanik am besten kann, hat gute Chancen zu gewinnen. Das ist aber nicht nur ein Phänomen von Geschicklichkeitsspielen. Denn auch beim Sachspiel hat derjenige, der kognitiv mehr leisten kann bzw. der mehr Erfahrung im Sachspielen hat, die besseren Chancen. 

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– Geschicklichkeitsspiel –  

Eigentlich bergen Geschicklichkeitsspiele großes Frustpotenzial. Einfach weil es nicht jeder kann. Wer beim Tischfußball gegen einen guten Spieler spielt hat oft keine Chance ein Tor zu schießen. Billard hingegen ist dabei ein sehr positives Spiel. Wenn ich dran bin, habe ich es auch selbst in der Hand ein Erfolgserlebnis zu erleben. Hier kommt auch hinzu, dass man selbst wenn man nicht gut spielt einfach mal glücklich eine Kugel reinmachen kann. Vielleicht noch nicht einmal die, welche man eingentlich einlochen wollte. Es passiert sogar nicht allzu selten, dass der Gegner einem ungewollt hilft und eine eigene Kugel einlocht. Das Spiel hat eine gute Balance zwischen Glück und Können.

 

 – Hoffnung –

Eine Regel, welche für einen spannenden Spielverlauf sorgt ist, dass man nach dem Einlochen einer Kugel noch einmal dran ist. Das sorgt dafür, dass man theoretisch nie verloren hat bis der andere gewonnen hat. Denn man könnte ja an einem Stück alle seine Kugeln versenken. Diese Idee, dass man nie verloren hat wird noch weiter verstärkt, indem es die Regel gibt, dass die schwarze Kugel erst ganz am Ende versenkt werden darf und dann auch nur in ein bestimmtes Loch. Wer diese Kugel ausversehen früher versenkt verliert das Spiel. Nicht selten passiert das auch dem Spieler, der eigentlich gerarde in Führung lag. Die Hoffnung doch noch zu gewinnen ist beim Billiard also allgegenwärtig.

 

– Aufholmechanismus – 

Warum ich Billard aber letzten Endes genial finde ist der Aufholmechanismus. Je mehr Kugeln das Gegenüber eingelocht hat, desto weniger Möglichkeiten gibt es für ihn weitere Kugeln einzulochen. Es wird also schwerer die verbleibenden Kugeln einzulochen. Zudem wird für denjenigen, der hinten liegt, die Chancen zu treffen immer besser. Denn es liegen nicht mehr so viele fremde Kugeln im Weg. Durch diese Tatsache ist es dem hinten liegenden Spieler möglich aufzuholen.

Das alles sorgt dafür, dass auch ein schlechter Spieler früher oder später das ein oder andere Erfolgserlebnis erleben kann. Je weiter er zurückliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er als nächstes ein Erflogserlebnis erlebt. Genial finde ich einfach, dass es keiner Zusatzregel dafür bedarf, dass jemand der hinten liegt bessere Chancen hat aufzuholen. Es ist auch nicht so, dass der hintenliegende Spieler nun bevorzugt wird. Er muss ja nach wie vor seine Kugeln versenken. Lediglich die Chance dies zu erreichen steigt.

 

– Ein Showdown

Die Spannung wird mit jeder eingelochten Kugel größer. Bis am Ende, wenn ein/beide Spieler nur noch die schwarze Kugel eingelochen muss/müssen, die Spannung am höchsten Punkt angekommen ist. Jetzt kann jede Aktion über Sieg oder Niederlage entscheiden. Im Hinblick auf Brettspiele, wird mir dieses Stilmittel eines Showdowns zu wenig genutzt. So ist oftmals vor dem ausrechnen der Punkte nicht klar wer vorne liegt. Zwar sorgt diese Ungewissheit auch für Spannung, doch ist es eine “künstlich” erzeugte Spannung. Sie ist aber nicht so akkut und direkt wie Spannung, wenn man weiß, dass der nächste Zug über den Sieg entscheiden kann.

 

– Fazit –

Ich arbeite ehrenamtlich in einem Jugendtreff. Billiard, als anloges Spiel, ist das Lieblingsspiel der Jugendlichen. Das liegt meiner Meinung nach an dem Aufholmechanismus. Denn, egal wie gut oder schlecht man ist, man bekommt durch den Aufholmechanismus immer die Chance als nächstes ein kleines oder großes Erfolgserlebniss zu feiern. Diese Erfolgserlebnise hinterlassen ein positives Gefühl und sorgen für einen großen Wiederspielreiz.

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