Spielbesprechung: Das Labyrinth des Pharao

2013 erschien das Spiel “Das Labyrinth des Pharao” dank der Crowdfounding Kampange auf Startnext. Nun habe ich mir das Spiel mal angeschaut. Danke an Krimskramskiste für das Rezensionsexemplar. Wer gerne mehr über die Regeln erfahren möchte kann diese gerne hier nachlesen. Ich werde darauf verzichten den Spielablauf im Detail zu wiederholen. Betrachten möchte ich das Spiel aber unter den Gesichtspunkten Spiel-Mechanismus und Spielgefühl.

Mechanismus: Legemechanismus: Es handelt sich bei Labyrinth des Pharao um ein einfaches Legespiel. Gebaut wird das Labyrinth einer Pyramide. Dabei geht es darum ein möglichst großes zusammenhängendes Labyrinth zu bauen und Schätze einzusammeln. Am Anfang der Runde wird bestimmt, welches Plättchen jeder Spieler auf dem Spielplan platzieren muss. Danach setzten die Spieler das Plättchen auf ihrem Tableau ein. Dass ist nicht das gesamte Spiel, aber der Hauptmechanismus. Eine spielerische Besonderheit finde ich, dass man bei diesem Spiel wirklich absolute Chancengleichheit herrscht. Es gibt keine Würfel und jeder Spieler hat sein eigenes identisches Set an Plättchen. Die Plättchen werden auch nicht gemischt und zufällig gezogen, sondern kommen bei jedem Spieler in der gleichen Reihenfolge. Ja selbst der Pyramidenspielplan ist bei jedem Spieler derselbe. Dass es keine Lösung für das perfekte Labyrinth gibt liegt daran, dass 3 Spielplättchen nicht ins Spiel kommen und die Spielteile in unterschiedlicher Reihenfolge ins Spiel kommen. Es gibt somit eine gewisse Unsicherheit, welche Teil noch ins Spiel kommt. Ein so symmetrisches Spiel ist mir noch nie untergekommen. Ja selbst Schach ist unsymmetrischer. Denn ein Spieler beginnt und der Gegenspieler reagiert auf diesen Zug. Die Varianz von Partie zu Partie kommt dadurch, das die Spielplättchen nicht komplett und immer in unterschiedlicher Reihenfolge kommen. Dass die Labyrinthe der Mitspieler am Ende des Spiel nicht identisch aussehen, liegt lediglich daran, dass die Mitspieler eigene Wege verfolgen bzw. die Spielsituation anders einschätzen.

Schatzmechanismus: Während des Spiels legt man Schätze. Diese legt man nicht irgendwo hin, sondern es gibt auf den Spielplättchen dafür vorgesehenen Stellen. Gerade in der Profi Variante ergibt sich dadurch ein sehr schönes Spannungselement. Und zwar sind Schätze die tiefer im Labyrinth sind wertvoller. (Der Wert des Schatzes erhält einen höheren Multiplikation) Gleichzeitig hat jeder Spieler verschiedenartige Schätze, welche unterschiedlich wertvoll sind. Das heißt, ich als Spieler muss überlegen: Lege ich die wertvollen Schätze an den Anfang des Labyrinths um die Punkte auf jeden Fall zu bekommen oder gehe ich das Risiko ein und warte lieber um dann am Ende die ganz großen Punkte machen zu können. Hier ist man immer wieder in einer Dilemmasituation.     Fazit: Der Spielmechanismus funktioniert super. Das Spieldesign ist absolut schnörkellos. Die Elemente wissen Spannung aufzubauen, dass ist wirklich sehr gut gelungen. Die Wahl des Themas finde ich weniger gelungen, denn laut Spielanleitung bin ich Schatzsucher. Aber baue ich beim Schatzsuchen ein eigenes Labyrinth und platziert die Schätze selbst? Wenn ich spiele, fühle ich mich weniger wie ein Schatzsucher, sondern eher wie ein Arbeiter im alten Ägypten der die Pyramide baut und die Schätze darin versteckt. Und natürlich versuche ich die wertvollen Schätze ganz tief im Labyrinth zu verstecken. Dann macht das Ganze für mich mehr Sinn.    

Spielgefühl: Bei diesem Spiel gibt es einen großen Unterschiede zwischen dem Spielgefühl der Erstpartie und jeder weiteren Partie. Ich möchte deshalb meine Erfahrung getrennt aufschreiben.

Erstpartie:

Vor der ersten Partie stellen sich viele Fragezeichen. Keine regeltechnischen Fragen, die Regel ist nämlich sehr verständlich geschrieben, sondern eher Fragen wie: Wie soll ich anlegen, was ist sinnvoll, ist es egal wie ich mich entscheide?. Gerade im ersten Spiel haben deshalb fast alle Testspieler immer erst mal geschaut, was die Mitspieler machen. Nach ein paar Plättchen haben die meisten Mitspieler dann aber verstanden was von ihnen gefordert ist. Dann beginnen die Spieler auch eigene Wege zu gehen. Die Erstpartie ist dennoch bis zum Ende geprägt von vielen Fragezeichen. Denn die Entwertung ist das komplizierteste am ganzen Spiel. Und so hatte kein Spieler einen Überblick wer nun vorne liegt und wer nicht. Zum Glück ist das Spiel so kurz, dass man an die erste Partie gleich eine zweite anhängen kann. Denn das Gefühl “Jetzt habe ich verstanden wie es läuft” stellt sich wirklich erst nach dem ersten Spiel ein.

Weitere Partien:

In den folgenden Partien entwickelt sich dann von Anfang an ein Spannungsbogen. Der Spannungsbogen entsteht dadurch, dass ich den Weg des Labyrinths immer stärker perfektioniere möchte. Das heißt, ich überlege mir schon beim ersten Plättchen wo könnte ich es am sinnvollsten Anlegen um in weiteren Zügen bestmöglich weiter zu bauen. Ob mein Plan dann aufgeht hängt stark davon ab in welcher Reihenfolge die Plättchen kommen. Zu Anfang kann ich mir sicher sein. Das ein oder andere Plättchen, welches noch passt kommt auf jeden Fall. Gegen Ende des Spiel muss ich aber immer wieder schwere Entscheidungen treffen. Denn oft kann man sein Labyrinth so bauen, dass es eine “perfekten” Weg gibt, nun muss man aber abwägen: Baue ich risikohaft um das Optimum raus zu holen und nehme in Kauf, dass mein Labyrinth frühzeitig endet oder baue ich lieber konservativ. Das Spiel ist jedenfalls spannend und wird gerade gegen Ende des Spiel immer spannender. Eine weitere Besonderheit ist mit Sicherheit, dass die Spannung nur indirekt mit dem Spielsieg in Verbindung steht. Die Spannung entsteht hauptsächlich dadurch, dass man seinen eigenen Plan gerne umsetzen möchte und das “perfekte” Labyrinth bauen möchte. Über die Siegpunkte hat man während des Spiel sowie so kaum einen Überblick. Wobei klar ist, wer ein gutes Labyrinth baut hat auch die besten Chancen auf den Spielsieg. Man könnte zwar auch zwischenzeitlich seine Siegpunkte nachzählen, dann würde mir das Spiel aber zu lange gehen. Aber gut jeder wie er will. Mit Grüblern würde ich dieses Spiel jedenfalls nicht spielen wollen. Das Spiel ist aber ein sehr gutes Beispiel für ein Spiel, das Dank thematischer Einbindung ermöglicht, dass intuitive Entscheidungen zum Spielsieg führen. Denn selbst wenn ich in der Erstpartie noch nicht weiß, wie das Spiel sich entwickelt, mir ist klar das je länger mein Labyrinth ist, desto besser bin ich. Fazit: Das Spiel ist so schnörkellos, so linear, so symmetrisch, dass ich mich nach dem Regellesen fragte “Und wo ist nun das Spiel?”. Es gehört zu der Sorte von Spiel bei denen man vor dem Spielen nicht verstehen kann wie es “funktioniert” bzw. laufen soll. Dies kann entweder daran liegen, dass das Spiel einen von Möglichkeiten erschlagen scheint oder dass es sich um ein Spiel handelt, bei dem man sich fragt und wo sind denn nun meine Entscheidungsmöglichkeiten. So ging es mir bei Werwölfe und Love Letter und nun auch bei diesem Spiel. Es ist dann aber faszinierend was sich für ein Spiel auftut, wenn man sich davon nicht irritieren lässt. Nicht sonderlich gelungen finde ich die Endwertung. Hier muss noch einmal richtig gerechnet werden. Man könnte auch sagen die Entwertung ist das komplizierteste am ganzen Spiel. Vielleicht fällt das aber auch nur auf weil der Rest des Spiel so elegant ist. Wer gerne Legespiele mit einer kleinen Einsteigerhürde spielen möchte ist hier genau richtig. Mit der Profivariante können aber auch Vielspieler Spaß haben. Hier ist es aber mehr so ein kleiner Müsliriegel der noch 10 min. vor dem Hauptgang gegessen werden kann. Im Folgenden habe ich ein Interview mit Mark “Krimsu” Sienholz über sein Spiel gemacht. Dabei ging es vor allem um die Entwicklung des Spiels. Das Interview gibt es hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.