Die ersten Erfahrungen mit meinem eigenen Spiel

Hallo, ich bin Jonas und möchte gern etwas von meinen Erfahrungen als junger Spieleautor zu diesem Blog beitragen. Als kleine Vorstellung möchte ich kurz eine Geschichte erzählen, die ich mit meinem ersten wirklich vorzeigbaren eigenen Spiel erlebte.

Es hieß „Polis“, ein Spiel über die Stadtstaaten im alten Griechenland (damals war dieses gleichnamige Zweipersonenspiel ja noch nicht auf dem Markt). ich war noch in der Schule, als ich es, nach einigen holprigen anderen Spielen, ab 2009 entwickelte. Obwohl ich das Spiel wegen zu aggressiver Interaktionsmöglichkeiten (=Krieg gegen einzelne Spieler) wieder vom Hans-im-Glück-Verlag zurückgeschickt bekam, war ich immer noch sehr begeistert davon: Es war mein Spiel. Ich hatte den Spielplan bestimmt 20mal überklebt. Ich konnte schwärmen von seiner Variabilität, nicht nur im Spielaufbau, sondern auch als Spielzeug für die Spieler in der Partie. Es ergaben sich so viele Möglichkeiten und Wege zum Ziel! Und so weiter.

2012 war ich zum ersten Mal beim Göttinger Spieleautorentreffen, um „Polis“ zu präsentieren. Dort war eine wirklich wunderbare Atmosphäre. An weit über 100 Tischen zeigte man einander seine neuen Spielideen. Mit vielen netten Leuten habe ich mich ausgetauscht, aber kaum mit Redakteuren, die waren natürlich permanent beschäftigt. Gegen Ende gelang es mir dann, Peter Eggert abzufangen. Tatsächlich kam er an meinen Tisch. Nach meiner aufgeregten, aber begeisterten Erklärung fragte er nur: „Und warum sollte ich gerade das spielen wollen?“ Ich stutzte. Warum sollte man Polis spielen? Gehört es nicht zum Spielen, dass man es ganz ohne Grund tut? Außer höchstens, damit man Spaß mit Freunden hat – oder einfach um zu gewinnen… Ich verhaperte mich in Regelparaphrasen, konnte nicht überzeugen.

In einem Spielbox-Portrait über eggertspiele (sb 1/13) las ich später, dass Herr Eggert selber bei seinem ersten Besuch des Spieleautorentreffens ähnlich vor den Kopf gestoßen wurde. Heute bin ich ihm für diese kleine Begegnung sehr dankbar, ich habe jetzt sozusagen seinen Blick gelernt. Ein Autor braucht nicht nur Begeisterung für sein Spiel, sondern sollte diese auch erklären können. Einen Spieleautor unterscheidet von einem Spieler, dass er weiß, warum ein Spiel Spaß macht. Das habe ich bisher gelernt.

Nun ist Spielspaß alles andere als rational. Warum stoßen manche schon beim Anblick einer hervorgeholten Spielschachtel Freudenschreie aus, während andere gereizt den Raum verlassen? Jeder Versuch, dieses Phänomen zu erklären, ist ungenügend. Ich behaupte sogar, man kann ihm niemals ganz auf die Schliche kommen. Dennoch gibt es einige Grundmuster, die man beobachten kann. Ich will dazu bald eine Serie beginnen, damit wir uns über unterschiedliche Möglichkeiten des Spielspaßes klar werden können.

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