Die Geschichte der Kooperativen Spiele (1)

Hanabi, Andor, Zombicide, The Game, Mysterium, Time Stories – viele Hits der letzten Zeit sind kooperative Spiele. Diesem Phänomen will ich bis Weihnachten in einer 5-teiligen Artikelserie gerne etwas genauer auf die Spur kommen.

Mich fasziniert das kooperative Spiel, weil es eine radikal andere Form des Spiels ist. Es geht nicht mehr darum, die anderen zu besiegen, sondern die Gruppe muss konstruktiv zusammen spielen, um das Ziel gemeinsam zu erreichen. Doch wie kam diese Idee überhaupt in die Welt? Gab es eine Entwicklung, die im heutigen Ko-op-Boom gipfelt?

Solche Fragen kann ich nicht einfach selbst beantworten. Daher habe ich mir für jeden Teil dieser Serie einen Überraschungsgast ausgesucht, mit dem ich ein kleines Gespräch führe. Uns erwarten einige erhellende Antworten!

Der erste Gast ist Hajo Bücken. Er ist zwar in der Spielerszene nicht so bekannt, weil er vorrangig Kinderspiele gemacht hat. Allerdings ist er schon sehr lange dabei. So war er etwa 1991 der erste Vorsitzende der Spieleautorenzunft. Ich selbst habe als Kind sein kooperatives “Bärenspiel” mit Begeisterung gespielt. Es gehörte zu einer Spielereihe mit dem Titel “Wer hilft – gewinnt”, welche der katholisch orientierte Buchverlag Herder von 1977 bis 1996 führte.

 

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Hajo Bücken

Lieber Herr Bücken, Sie haben 1983 das “Bärenspiel” bei Herder veröffentlicht, das 2011 bei Amigo neu aufgelegt wurde. Wie ist das Spiel damals grob entstanden?

Ich hatte ein Eisbärenspiel entwickelt. Herder fand Eis für Kinder zu kalt.

Wie sind sie auf das Spielkonzept der Kooperation gekommen – oder: Wo kam es her?

Um nicht zu weit auszuholen: Als alter 68er habe ich schon während des Studiums Spiele entwickelt:

  • Palaver: Nur 2 zusammen können gewinnen (koalitiv)
  • Diktator: Einer spielt gegen vier
  • Quindo: kooperativ

Wenn Sie wollen, holen Sie ruhig noch etwas weiter aus, wo das vollkooperative Spielkonzept in Ihrer Studiumszeit herkam.

In meiner Studienzeit – 1975 – 1978 – ging es weniger um das Studieren und mehr um Politik. Wir standen damals oft auf der Straße und empfingen die Wasserwerfer, wir “sprengten” Professorensitzungen usw. Wenn wir dann mal spielten, war Wettbewerb weniger angesagt als gemeinsam etwas zu erreichen. Dazu passen eben kooperative Spiele.

Haben Sie das Spiel bewusst mit einem äußeren (z.B. pädagogischen) Zweck entwickelt?

Ja. Ich wollte den ständigen kompetitiven Spielen etwas entgegensetzen.

Was für spezielle Elemente haben Sie damals eingebaut, damit das Bärenspiel neben all den kompetitiven Spielen bestehen kann?

Naja, das ging eigentlich nur mit einem “Außenfeind”, also etwa einer Bedrohung wie bei dem Spiel “Wundergarten” (nicht von mir), wo eine Wolke immer bedrohlicher wird. Oder heute der “Obstgarten” von haba, wo das der Vogel übernimmt. Beim Bärenspiel wollte ich es softer machen. Der kleine Bär muss aus dem Wald gerettet werden. Hier sind die “Bedrohungen” Hindernisse und andere Tiere.

Warum wurden kooperative Spiele damals fast nur als Kinderspiele umgesetzt?

Zum einen, weil die Verlage wohl kooperative Spiele für Erwachsene nicht auf dem Plan hatten. Zum anderen, weil wir immer im Kopf hatten, dass die Gesellschaft nur von unten verändert werden kann. Also am besten gleich bei den Kindern anfangen, dem ständigen Gegeneinander etwas entgegenzusetzen.

Wurden kooperative Spiele früher anders angenommen als heute?

Es gab damals eine Zeit für kooperative Spiele, wohl der politischen Situation folgend. Herder war der Marktführer – und ist einige Jahre später gescheitert, weil diese Zeit vorbei war.

Vielen Dank für das Interview!

 

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