3. Einen ersten Prototypen bauen

Einen Prototypen zu erstellen ist nicht sonderlich schwer. Ein paar Buntstifte, weißes Papier und eine Schere reichen oftmals aus. Ebenfalls hört man immer: „Es kommt nicht auf das Aussehen an, sondern auf das Spiel“.

Meine Erfahrung zeigt aber zwei Dinge:

  1. Mit einem schönen Prototyp lassen sich viel mehr Menschen darauf ein diesen Prototyp zu testen.

  2. Redakteure sind auch nur Menschen und wenn da ein schöner Prototyp in Haar oder Göttingen auf dem Tisch liegt wird eben doch mal ein Blick mehr riskiert. Natürlich, wenn das Spiel dann diesen ersten Eindruck nicht bestätigt lässt ein Redakteure sich nicht blenden.

Und deshalb gebe ich mir heute durchaus mehr Mühe beim Erstellen meiner Prototypen. Zudem kann das Gestalten eines Prototyps dabei helfen den Prototyp mit einer neuen Perspektive zu betrachten. Sozusagen ein neuer Zugang der evtl. ganz neue Erkenntnisse mit sich bringt. Deshalb werde ich heute, im dritten Teil des Spieleautoren Guides auf das Erstellen von Prototypen eingehen.

 

Allgemein:

Software:

Um das Spielmaterial individuell zu gestalten kann es sinnvoll sein mit dem Computer zu arbeiten. Denn dort lassen sich schnelle Anpassnung vornehmen. Wie immer gilt aber bei der Frage, welche Software ist die Richtige, die These „Jede Software ist nur so gut wie ihr Anwender“. Ich kenne Leute, die stellen ihre Prototypen mit Word und Excel her. Wenn Sie sich dabei wohl fühlen – warum nicht. Wer aber keine Angst hat sich ein neues Programm an zu eigenen sollte auf andere Lösungen zurückgreifen. Denn es gibt natürlich Programm, die genau dafür entwickelt wurden. Hier möchte ich mal über ein paar davon ein Wörtchen verlieren.

 

Adobe:

Adobe ist sicherlich Marktführer was Grafikprogramme angeht. Vor allem Photoshop, Illustrator und InDesign aus dem Hause Adobe sind für Spieleautoren interessant. Da es sich hierbei um Software handelt, die sich an Profis wendet muss man auch ein bisschen Willen mitbringen sich mit den Programmen auseinander zu setzen. Doch obwohl der Preis sehr fürstlich ist gibt es viele Menschen, welche die Adobe Programme nutzen. Dadurch gibt es im Netz und in Büchern sehr gute Tutorials zu all den Programmen von Adobe.

Ich denke wer das nötige Kleingeld hat und sich einmal im Leben reinhängen will, um ein Programm zu erlernen und sich dann heimisch fühlen möchte ist bei Adobe genau richtig.

 

Corel:

Corel bietet mit CorelDraw ein günstiges Pendant zu Illustrator. Leider reichen die Funktionen nicht an die von Illustrator heran. In den wenigen Stunden, die ich mit beiden Programmen gearbeitet habe, musste ich zudem feststellen, dass für mich der Illustrator von Adobe einfach intuitiver aufgebaut ist. Dafür kann man CorelDraw durchaus günstig erstehen.

Ein kleines Meisterwerk ist Corel, meiner Meinung nach, mit dem Corel Painter 2015 gelungen. Bei Corel Painter handelt es sich um, ein kostengünstiges digitales Zeichenatelier. Dieses kann durchaus mit Photoshop mithalten. Es ist noch spezieller auf das Malen und Zeichnen ausgerichtet. Wer also gerne selber malen und zeichnen möchte sollte einen Blick darauf werfen.

Zu all diesen Programmen gibt es aber auch Freeware Alternativen, die sich nicht verstecken müssen:

 

GIMP:

GIMP ist ein Fotobearbeitungssoftware, ähnlich wie Photoshop. Doch es lässt sich damit auch ganz gut zeichnen und malen. Dank einer großen Community gibt es auch hier viele Erweiterungen in Form von Brushes etc.. GIMP hat eigentlich alles, was man braucht um einen guten Prototyp zu erstellen. Obwohl ich sehr lange damit meine Prototypen erstellt habe, bin ich nie ganz warm geworden damit. Die Funktionen sind zwar alle da, aber alle sehr versteckt. Man muss sich also reinknien, wenn man mit GIMP wirklich gut umgehen möchte. Es ist aber immer noch auf meinem PC installiert, weil es ein wirklich gutes Freistellungsfunktion hat, mit der es leicht ist aus einem Bild den Hintergrund zu entfernen, so dass nur noch das gewünschte Objekt zu sehen ist.

 

Inkscape:

Inkscape ist ein Vektorprogramm und vergleichbar mit dem Illustrator von Adobe. Natürlich kommt Inkscape nicht an die Funktionen eines Illustrator heran. Für das Erstellen eines Prototyps reicht Inkscape indessen völlig aus. Ich stelle mittlerweile fast alle Dateien für meine Prototypen mithilfe von Inkscape her. Es lässt sich damit einfach und schnell arbeiten und es bietet alle wichtige Funktionen, die ich brauche: Ebenen – Funktion, Bild vektorisieren und einfache Zeichnungen herstellen.

 

Krita:

Krita ist ein Open Source Projekt und richtet sich an Künstler. Auch bei Krita zeigt sich, dass es manchmal nicht schlecht ist auf ein Open Source Programm zu setzen. Denn der Corel Painter ist zwar viel umfangreicher als Krita, dafür auch komplexer. Wer also nur hin und wieder mal kurz etwas zeichnen oder malen möchte ist mit Krita sehr gut bedient.

 

Fazit:

Zu allen hier vorgestellten Programme gibt es gute Tutorials und Testberichte im Internet. Alle Programme haben unterschiedliche Schwerpunkte. Um optimal arbeiten zu können sollte man schauen, welches Program für die jeweilige Anforderung geeignet ist. Es kann daher in manchen Situationen Sinn machen mehrere Programme zu nutzen. Das Wichtigste ist für mich, dass das Programm mich optimal beim Erstellen meiner Prototypen unterstützt. Für die meisten Prototypen reichen mir meist die Funktionen von Inkscape und GIMP. Für den seltenen Fall, dass ich selbst mal zum Pinsel greife, nutze ich den CoralPainter 2015 mit einem Grafik-Tablet. Doch am Ende muss jeder selbst entscheiden, was das Richtig ist.

 

Grafiken:

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Spieleautor: Daniel Solis

Für die meisten Prototypen braucht man die eine oder andere Grafik. Gerade für ein Prototyp im Anfangstadium lohnt es dabei nicht die Bilder oder Icons zu kaufen. 

Doch es gibt im Internet auch ein paar Projekte bei denen man als Teil einer Community günstig oder kostenlos an Bilder bzw. Icons herankommt. Erst vor einigen Wochen habe ich über Daniel Solis geschrieben. Daniel Solis ist Spieleautor, der dank der Unterstützung der Patreon Community ein ganzes, nun kostenlos zur verfügungstehendes, Icon Set für Brettspielautoren erstellt hat.

Ein weiteres Projekt ist Game-icons.net bei dem die Icons ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt werden. So heißt es auf deren Seite:

Game-icons.net is an online repository providing heaps of cool game related graphics.They are provided under the terms of the Creative Commons 3.0 BY license.It means that [you] can use them freely as long as you credit the original author in your creation. A mention like “Icons made by {author;}. Available on http://game-icons.net” is fine.

Durchstöbert ruhig mal das Internet. Es gibt noch weitere Seiten und Projekte, bei denen man durchaus auch kostenlos oder kostengünstig an Bilder und Icons kommen kann.

 

Spielmaterial:

Spielkarten:

Blankokarten:

Um Spielkarten zu erstellen kann man Blankokarten kaufen oder man kauft in einem 1€ – Laden ein Skatkartenset. Auf diese Karten kann man dann seine eigenen Karten kleben. Der Vorteil ist dabei, dass es eine hochwertige Karte ist. Der Nachtteil ist, dass es dann doch relativ teuer wird und das man doch viel Aufwand betreiben muss. So muss man die eigene Karte ausschneiden und dann auf die Blankokarte aufkleben.

 

Sleeves:

Für einen ersten Prototyp drucke ich deshalb auf normales 80g Papier und Sleeve diese Karte ein. Denn der erste Prototyp ist ein Mülleimer-Prototyp. Er wird erstellt und wahrscheinlich nach einigen Partien weggeschmissen. Ich nutze dabei Sleeves, welche einen verstärkten und komplett abgetönten Rücken haben. Diese sind zwar hochpreisig können dafür aber auch immer wieder erneut genutzt werden. Der große Vorteil solcher Sleeves ist es, dass sich auf einmal sogar 80g Papierkarten gut mischen lassen. Zudem sieht man nicht durch und die Karte gewinnt an Stabilität.

Der Nachtteil dieser Methode ist, dass sie immer noch relativ zeitaufwendig ist. Denn die Karten müssen ausgeschnitten und in ein Sleeve gesteckt werden.

 

Eigene Karten auf 350g Papier:

In einem fortgeschrittenen Status drucke ich die Karten direkt auf 350g Papier. Damit hat man eine stabile und gut in der Hand liegenden Karte. Jetzt müssen diese Karten nur noch ausgeschnitten werden. Um hier noch effektiver zu arbeiten lohnt sich die Anschaffung einer Schneidemaschine.

Ich nutze mittlerweile eine Visitenkarten-Stanze. Mithilfe dieser ist es mir auch mal möglich 120 Spielkarten in wenigen Minuten zu stanzen. Der Nachtteil dieser Stanze ist, dass die Visitenkarte kleiner als eine normale Spielkarte ist. Hier zeigt sich auch der Vorteil einer Schneidemaschine, denn damit lassen sich beliebige Kartengrößen schneiden.

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Und wenn man die Schneidemaschine mit einer Ectkstanze kombiniert muss man auch nicht auf eine runde Ecke verzichten. Hierbei gibt es aber enorme Unterschiede. So gibt es große Ecktstanzen mit denen auch mehrere Karten auf einmal gestanzt werden können, oder kleine Eckstanzen mit denen jede Karte einzelt gestanzt werden muss.

Nicht getestet habe ich eine elektronischen Visitenkarten-Schneider. Hier lassen sich nochmals viel Zeit und Kraft sparen. Kosten die Visitenkartenstanze um die 60€ sind es bei einem elektronischen Visitenkarten-Schneider eher um die 150 – 500€. 

 

Marker:

Das erstellen von Markern ist so eine Sache. Je nachdem welche Art von Marker ich benötige, greife ich auf folgende drei Arten zurück:

Graupappe:

Graupappe ist die Spielautoren Allzweckwaffe. Sie ist günstig und in vielen unterschiedlichen Größen und Stärken zu bekommen. Zudem kann man damit wirklich alles herstellen..Spielschachtel, Marker und die verrücktesten Technischen-Mechanismen. Ich hab mal einen Prototyp gespielt, bei dem aus Graupappe Zahnräder gebaut wurden – Funktioniert einwandfrei. Doch zurück zu den Markern: Bei eckigen Markern arbeite ich meist mit einem Grafikermesser und einer Schneidematte.

Wenn die Marker rund sein sollen oder ich sehr viele herstellen soll, arbeite ich meist mit einem Locheisen. Dabei reicht dann ein einfacher Schlag mit dem Hammer um einen perfekten Marker herzustellen. Sollte der Marker ein bisschen wertiger sein, kann man auch einfach mal zwei zusammenkleben.

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Locheisen gibt es in jeder Größe!

Mosgummi:

Ich mag das Material nicht, es ist zwar relativ günstig und auch super zu verarbeiten, aber es ist eben sehr weich und liegt deshalb nie richtig plan/eben. Der große Vorteil für mich liegt darin, dass es mit einer Schere zu schneiden ist. Zudem gibt es Mosgummi eben in unterschiedlichen Farben. So kann man also auch schnell mal Marker erstellen, die sich farblich unterschieden lassen.

 

Foamboard:

Foamboard bzw. KAPA Platten sind teuer und auch nicht ganz einfach zu verarbeiten. Und doch ist die Qualität unschlagbar: Es fühlt sich super an und wenn es mal ein besonders guter Marker sein soll, lohnt es sich. Das Formboard eignet sich aber nicht nur um Marker herzustellen. Der Einsatzbereich ist grenzenlos: Ich habe beispielsweise daraus eine individuelle Spielbox gebaut.

Ein Cutter-Messer reicht aus, wer allerdings ein bisschen Geld über hat kann auch auf besonderes dafür konstruiertes Bearbeitungswerkzeug zurückgreifen. Mit diesem lässt es sich noch besser und noch sauber arbeiten. Gerade für diejenigen, die viel damit arbeiten lohnt sich ein Blick. Mehr Infos + Video der einzelnen Werkzeuge gibt es hier.

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Ich besitze den Straight-Bevel Cutter & den Freestyle Cutter.

Spielplan:

Super ist es natürlich wenn man einen Drucker besitzt der A3 drucken kann. Doch auch für alle anderen gibt es eine gute Lösung. So gibt es mit PosteRazor ein sehr praktisches Tool. Das Programm wandelt große Bilder um und speichert das Bild in einer PDF,  so dass man den Spielplan auf mehren A4 Seiten ausdrucken kann.

Danach kann dieser Spielplan auf Graupappe oder auf einem alten Spielplan eines anderen Spiel geklebt werden.

 

Individuelle Spielfiguren:

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Es gab keine Raumschiffe in der richtigen Größe. Deshalb hier meine einfachen aber zweckmäßige Raumschiffe für meinen Prototypen “Space”.

Manchmal muss es etwas Spezielles sein. Da könnte natürlich ein 3D-Drucker helfen. Doch die Wenigsten von uns werden schon einen besitzen. Ich greife deshalb meist auf FIMO zurück. FIMO ist zwar nicht gerade günstig, lässt sich dafür aber leicht verarbeiten. Und selbst wer nicht so talentiert ist beim Basteln (ich bin es nicht) bekommt mit FIMO eigentlich ein ansehnliches Ergebnis hin.

Eine günstigere Alternative zu FIMO ist Salzteig selber herstellen. Rezepte gibt es genug im Internet. Allerdings ist der Arbeitsaufwand deutlich höher, da die Figuren noch angemalt werden müssen. Zudem lässt sich Salzteig schlechter verarbeiten.

 

Spielschachtel:

Für die Spielschachtel können zum einen natürlich alte Spielschachteln genutzt werden. Eine Alternative dazu ist es sich passende Faltkartons zu kaufen. Diese sind stabil, leicht zu lagern und kostengünstig. Wer aber immer gerne die optimale Schachtelgröße für einen Prototyp haben möchte sollte mit Hilfe von Graupappe seinen eigene Spielschachtel herstellen.

 

Allgemeines Spielmaterial:

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Gut gestapelt und schnell erreichbar.

Spielmaterial für Brettspiele kann man zum Beispiel käuflich bei Spielmaterial.de erstehen. Günstiger ist es aber alte Spiele mit viel Spielmaterial aufzukaufen und sich ein eigenes Materiallager anzulegen. Der Nachtteil dabei ist dann jedoch, dass man das ganze Material auch lagern muss. Ich habe deshalb Sortimentkasten, welche man gut aufeinander stapeln kann und jedes einzelne Element einzelt herausnehmen kann.  

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Jedes Element lässt sich herausnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hoffe dieser Artikel konnte euch an der einen oder anderen Stelle weiterhelfen. Wenn euch ein Punkt noch mehr interessiert, schreibt es doch in die Kommentare. Vielleicht kann ich dann in einem extra Artikel dies noch detailierter beschreiben. Im nächsten Artikel geht es um das Prototypen testen. Zum ersten letzten Beitrag dieser Serie (Eine erste Idee)  geht es hier. 

 

 

 

8 Gedanken zu „3. Einen ersten Prototypen bauen

  1. Vielen Dank für den Einblick in die Spielewerktstatt und die guten Hinweise! Gerade ein Programm wie PosteRazor wollte ich diese Tage noch für ein eigenes Projekt suchen. Anbei noch zwei Ergänzungen, mit denen ich bislang gut gearbeitet habe. Für Bilder auf jeden Fall: https://openclipart.org/ und zum Erstellen von Spielkarten, die optisch schon ein bisschen was hermachen, allerdings von den Gestaltungsmöglichkeiten recht eingeschränkt sind: http://spieleinderschule.org/

  2. Zwei Dinge möchte ich gerne ergänzen. Erstens eine wirklich ernstzunehmende Alternative zu Adobe Photoshop und Illustrator: Infinity Designer und Infinity Photo. Sofern man am Mac arbeitet, ist man mit einmalig 50 Euro je Software dabei und erhält ein Produkt, das stetig aktualisiert wird und Adobe nicht unähnlich ist. Zweitens die Möglichkeit, Prototypingmaterial fertig zu bestellen, also Blanko_Plättchen, Spielpläne usw. Game Designer’s Helpdesk hatten in Essen einen Stand und wollen das auch online anbieten: game elements for prototypes (cards, boards, tiles, tokens) – http://www.siriusgamestudio.com – Wobei da momentan noch nichts ist, aber ggf. gibt es auch anderer solcher Services.

  3. Hallo,
    ist es nicht einfacher statt der Visitenkarten Stanze einfach Visitenkarten-Bögen von Herlitz, Avery etc. zu nutzen?
    Ansonsten viele nützliche Tipps! Danke!

    1. Einfacher vielleicht schon. Die Visitenkarten Bögen sind aber enorm teuer im vergleich. Zumindest welche ich bei Googel gerade gefunden habe.

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