Intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation

Ein Nachtrag zu meiner Spielspaß-Serie.

“Intrinsische Motivation”. Ein in unserer Gesellschaft leider selten verbreitetes Phänomen. Kaum jemand lernt oder arbeitet, weil er genau das lernen oder arbeiten will. Man wird eher dazu gezwungen, weil die eigene Existenz davon abhängt. Ich jedenfalls werde manchmal komisch beäugt, weil mir das Lernen und Lehren an sich Spaß macht. Bei uns Spieleautoren ist das wahrscheinlich sogar weitverbreitet, weil wir einfach Spaß an der Spielentwicklung haben.

Für den Spieler heißt intrinsische Motivation: Ich möchte spielen wegen des Spielens. Also wegen genau der Tätigkeit, die ich gerade in diesem Moment mache. Der Grund, zu spielen ist das Sammeln und Investieren, das Bluffen und  Auf-Kohlen-Sitzen, das Decken und Schlagen, das Erkunden und das Deduzieren. Was zählt, ist der Moment, das Erlebnis selbst.

Das Gegenteil nennt die Psychologie “extrinsische Motivation”. Die bedeutet, wir wollen das jetzt hier eigentlich gar nicht unbedingt machen. Aber trotzdem machen wir es gerne, weil wir dafür etwas bekommen. Beim Spielen sind das das natürlich zuerst der Sieg und die Anerkennung. Vielleicht kann man aber noch kleinschrittiger fragen: Möchte ich innerhalb des Spiels wirklich das tun, was ich gerade tue? Oder ist das nur die nötige Arbeit, um irgendwann zu den wirklich spannenden Sachen zu kommen?

Als Spieleautoren wollen wir, dass die Spieler das mögen, was sie im Spiel tun. Deshalb geben viele Spiele z.B. eine Startaufstellung vor, anstatt dass die Spieler sich diese erst erarbeiten müssen. Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen erspart langweiliges Schuften für Geld. Ein ideales Spiel würde alle Spieler von Anfang bis Ende intrinsisch motivieren. Das ist wohl unmöglich. Die Philosophie dieses Spiels wäre “der Weg ist das Ziel” – damit dürfte es kein Spielziel als solches haben. Und dann wäre es ja kein Spiel mehr, sondern ein Spielzeug.

Extrinsische Motivation ist daher meiner Meinung nach nicht schlecht. Jede Zielstellung in einem Spiel ist im Grunde ein Mittel für extrinsische Motivation. So entstehen Spannungsbögen. Dennoch hilft es, in den unterschiedlichsten Momenten des Spiels zu fragen: Würde mir das hier auch ohne die Zielstellung Spaß machen? Das würde das Spiel sehr nach vorne bringen. Es gab ja einige Versuche, Spielzeuge in Spiele zu verpacken (z.B. die LEGO-Spiele oder das Spiel zur Cuboro-Murmelbahn). Wie man sieht, ist das natürlich auch nicht das Patentrezept. Aber vielleicht hilft es ja, euer Spiel zu etwas besonderem zu machen.

  • Mehr zum psychologischen Ansatz auf Wikipedia.
  • Video (englisch) zu diesem Thema bei Computerspielen auf Extra Credits.

Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/opensourceway/4504724163/

1 Gedanke zu „Intrinsische Motivation

  1. Extrinsische Motivation in Spielen ist sehr schwer. In der Spieltheorie wird darüber auch viel diskutiert. Eine Annahme, die sehr viele Spieltheoretiker, besonders in der pädagogischen und psychologischen Spieltheorie teilen ist, dass das Spiel frei sein muss. Es darf also gar nicht extrinsisch motiviert sein. Liegt die Motivation im Spiel selbst, wird das vielmals schon als intrinsisch bezeichnet, da ich dann aus mir selbst heraus, dieses Spiel spielen will, wegen dem was das Spiel mir bietet.

    Im Gegenteil wäre die extrinsische Motivation: Ich spiele, um einen Preis zu gewinnen, welches Spiel ist mir egal. Das geht natürlich, aber wir wissen alle, es ist nur halb so schön. Wenn das Spiel es schafft, spielimanente Anreize zu schaffen, durch SPannung, durch eine Geschichte oder dadurch, dass es besonders fordernd oder spaßig ist, dann ist das super, fällt aber auch nach meinem Verständnis nicht unter extrinsische Motivation.

    Liebe Grüße,
    Alex von den Boardgamejunkies

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