Let’s talk about… Fabelsaft

Wird das hier nun eine Rezensionsseite? Nein, es bleibt eine Seite rund um das Thema der Spieleentwicklung. Das Rezensieren überlasse ich dennen die das Können. Das Format “Let’s Talk about…” soll aber in Zukunft als Synonym dafür stehen, dass mir etwa auf der Seele brennt was nur indirekt mit Spieleentwicklung zu tun.  Das schöne ist, das ist mein Blog und ich kann ihr tun und lassen, was ich möchte. Zudem kann ich kaum Leser vergraulen weil die handvoll Menschen welche diesen Blog lesen treue Seelen sind. Also: Let’s talk about… Fabelsaft!

 

Wo gibts Fabelsaft?!

Auf der Messe gab es AgriCOLA und Isle of SPRITE und am 2F Messestand ein Spiel von Friedemann Friese das Fabelsaft heißt. Logisch wäre doch, dass es dann auch einen FabelSAFT gibt. Aber nein, weit und breit war kein Saft zu erblicken. Die PR Abteilung scheint dennoch alles richtig gemacht zu haben. Denn was soll es Besseres geben als am Sonntag “Sold out” verkünden zu können. Vielleicht lags aber auch nicht an der PR Abteilung, sondern am guten Spiel von Friedemann Friese und an der wunderschönen Illustrationen von Harald Lieske. Zudem gab es einen Service Countdown. Die Herren und Damen bei 2F Spiele verstehen also wie man gute Spiele macht und wie eine Messe funktioniert. Bitte das nächste mal aber den Countdown bei 100 Exemplare starten. Denn man stelle sich vor man steckt in Halle 7 fest und kommt dank neuem Besucherrekord nicht mehr rechtzeitig zum Stand von 2F Spiele in Halle 3.

 

Fazit!

Auf dem Nachhauseweg habe ich dann auch gleich Fabelsaft gespielt. Kurz = Gefällt mir sehr gut! Gerade zu dritt oder zu viert entfaltet das Spiel sein Potenzial. Es ist einfach zugänglich und wer wie ich Spaß daran hat, sich immer wieder mit neue Voraussetzungen auseinanderzusetzen, wird sicherlich sein Spaß haben. Da eine Partie recht kurz ist fühlt sich der einzelne Sieg jetzt nicht so großartig an. Zudem ist das Glück dann nicht von der Hand zu weißen, wodurch schon mal ein schlechter Spieler gewinnen kann. Doch alles in allem lässt die schöne Grafik, einfache Regeln und ein spannende Innovation mich glücklich am Spieltisch sitzen und im Notfall eine Revanche fordern.  Für mich einfach ein “Feel-Good-Game”. Gerne immer wieder und eins wenn nicht das Messehighlight der Spiel 16. Wobei ich zugeben muss, die großen Strategiespiele (Great Western Trail etc.) der Messe noch nicht gespielt zu haben.

Sehr gut die Einleitung habe ich geschafft nun also zu dem, worauf ich eigentlich die ganze Zeit schon kommen möchte 

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Was haben Fabelsaft und 504 gemeinsam?

Letztes Jahr war ich allein von der Ankündigung von 504 schwer begeistert. Einige Spieler  Gerade im Internet haben einige ihre Enttäuschung über 504 geäußert. Kurz gesagt Sie hatten beim Spielen keinen Spielspaß. Was man als Spielspaß empfindet, ist so unterschiedlich wie jeder Mensch von uns auch. Der eine hat schon allein mit schönem Material Spielspaß. Wieder andere sitzen schweigend vor einem Spielbrett und führen nach 5 Minuten einen Zug aus und empfinden dabei viel Spaß. Ich für meinen Teil liebe neue Spiele. Letztes Jahr habe ich fast bei keinem Spieleabend kein neues Spiel kennen gelernt. Etwas Neues zu entdecken löst in mir großen Spielspaß aus. 504 als auch Fabelsaft setzen meiner Meinung nach im besonderen Maße auf genau diesen Spielspaß und lassen mich diesen mit nur einem Spiel erleben.

Gut als Spieleautor habe ich dieses Phänomen eigentlich ständig. Ich verändere nur eine Regel und schwups habe ich ein ganz neues Spielgefühl. Je nachdem ist das Spiel dann besser oder schlechter. Doch genau das ist das, was mir am Spieleerfinden Spaß macht. Zu beobachten was passiert, wenn man nur eine Funktion ändert oder eine Regel abändert. Der Vorteil an Spielsystemen wie 504 und Fabelsaft aber auch T.I.M.E. Stories ist, dass man einmal die Grundregeln des Systems kennen lernt und dann viel Spaß innerhalb dieses Systems haben kann. Man kann also viel neues Entdecken ohne dabei immer wieder Spielregeln zu lernen. 

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Das “Problem” von 504

Ich finde, das »Problem« an 504 ist, dass es doch recht aufwendig ist einmal anzufangen. Bevor ich mit einer Partie anfangen kann, muss noch einmal geklärt werden, was jetzt in diesem Modul besonders ist. Dazu dauern sowohl der Aufbau als auch die Partien selbst dann oftmals doch seine Zeit. Da ist eine zweite Partie am Abend meistens eher nicht drin. Ein Grund warum das Spiel auch von mir nur ein paar wenige Male wirklich gespielt wurde. Denn anfänglich hatte ich viel Spaß damit. Dieser kam aber vor allem durch das Beobachten, wie sich die einzelne Partien unterschiedlich spielen, wenn man nur ein Modul verändert. Ich finde 504 dennoch super. Es ist aber eher ein Spiel, dass ich mit auf eine einsame Insel mitnehmen würde als mit zu einem Spieleabend. Dann hätte ich nämlich auch die Zeit wirklich drüber nachzudenken und die 504 Spiele auszuprobieren. 

 

Was Fabelsaft anders macht

Und jetzt lag da auf der Heimfahrt von der Spiel16 das neue Friedemann Friese Spiel »Fabelsaft«. Nach der ersten Partie wurde noch eine Partie gespielt, noch eine und noch eine. Mich hat schon der Prototyp überzeugt. Doch auch das fertige Spiel zog mich sofort in seinen Bann. Ich will einfach wissen, was noch alles kommt, was sich verändert, wenn diese eine Funktion nicht mehr im Spiel ist. Der Vorteil von Fabelsaft ist, dass man diese Entwicklung tatsächlich sehen kann. Denn im Gegensatz zu 504 kann ich bei Fabelsaft einfach mal ein paar Partien am Stück spielen.

Mich erinnert Fabelsaft an 504 und ist meiner Meinung nach einfach eine gute Weiterentwicklung. Denn das was mir an 504 gefallen (Neues Entdecken in einem in sich veränderten System) wurde in Fabelsaft aufgenommen und nun in einer Form gebracht in der es mir leichter fällt das auch alles zu erkennen. Natürlich ist Fabelsaft auch für eine andere Zielgruppe als 504 und besitzt deshalb von Anfang an einfache Grundregeln. Es macht dennoch unheimlich, viel Spaß zu sehen, wie nur eine Funktion die ganze Vorgehensweiße und Spielgefühl eines Spiel verändern kann. Gerade noch war der Markt total lukrativ, schon ist er im nächsten Moment durch das Auftauchen eines neuen Ortes zusammengebrochen.

Früchte Fabelsaft 

Dominion + Fabelfsaft =

Bei Dominion gibt es laut Wikipedia 260 unterschiedliche Königsreichkarten. Da kommt doch die Frage auf, wer kann die alle Spielen? Ich selbst besitze ja nur das Grundspiel (ein Fehler?). Um der unmenge von Karten gerecht zu werden wäre es doch super wenn man das Fabel – Konzept von Fabelsaft auf Dominion anwendet. Von jeder Königsreichskarte liegen immer nur 4 aus. Immer wenn eine Königsreichskarte gekauft wird, legt man eine neue Königsreichskarte vom Nachziehstapel offen aus. Der Nachziehstapel wird am Anfang gebildet und besteht immer aus 4 gleichen Königsreichkarten die Aufeinanderfolgen. Alle Königsreichskarten werden dann aufeinandergestapelt – nicht mischen. Zusätzlich darf man 1 Königsreichskarte aus seinem aktuellen Deck mit in die nächste Partie nehmen. Das Spiel endet nun aber nur noch, wenn der Provinzstapel leer ist. Und fertig ist das Dominion Mini-Legacy, Kampagnen Spiel.

 

4 Gedanken zu „Let’s talk about… Fabelsaft

  1. Da muss man imho einfach trennen.

    Aus “Autorensicht” finde ich 504 interessant, ein schier unendlich wirkender Eurogame Baukasten. Und es produziert gar funktionierende Spiele. Hut ab, voller Respekt, grandios und so. Der Begriff “Doktorarbeit” fällt ungefähr überall, wo sich jemand dazu äußert. Tolle Leistung, auf theoretischer Ebene.

    Aber als “Spieler” ist es ein Graus: Der Aufwand, eine Partie zu generieren und ihre Regeln zu erlernen und zu vermitteln, steht in keinem Verhältnis zur Qualität des Spiels, das dann dabei rauskommt. Es fehlt den einzelnen Partien an Individualität, Feinschliff, Thema und passendem Erlebnis/Spielgefühl. Die paar Kombinationen, die ich gespielt habe, waren in erster Linie langweilig, und ich hatte stets “bessere Versionen davon” (weil individuell und feingeschliffen) von anderen Autoren und Verlagen im Kopf. Die Innovation findet schlicht nicht auf der Ebene statt, die für den Spieler relevant ist.

    Bei Fabelsaft geht es mir ähnlich, wenn auch nicht so ausgeprägt. In beide Richtungen.
    Zum einen finde ich die Idee nicht soooo innovativ und aufwändig (Spiele mit sich verändernden Worker Placement gab es schon, siehe zB Lords of Waterdeep). Zum anderen ist es halt generell viel seichter. Die Spielregeln für die Partien an sich sind wahrlich unkompliziert, und was man dann damit macht, ist schon fast trivial (Obst sammeln, Kombinationen abwerfen). Das Spiel “tut nicht weh”, würde ich diplomatisch sagen. Aber geil ist anders.

    Die Gemeinsamkeit zu 504 liegt für mich darin, dass die “innovative Idee” nicht so recht in die tatsächlichen Partien durchsickern will.


    Deinen Dominionsaft kannst du gerne mal ausprobieren, wobei ich mir nicht sicher bzgl der Auswirkungen bin. Es gehört halt eigentlich aus Fairnessgründen dazu, dass es 10 Karten gibt und nicht 4, und dass ich in einem konkreten, festen Rahmen optimieren darf. Ist dann ein völlig anderes Spiel, ich nehme an, chaotischer und unberechenbarer. Kann Spaß machen, aber eigentlich finde ich Dominion gerade deshalb gut, weil es nicht chaotisch und unberechenbar ist. ;)

  2. Sowohl 504 als auch Fabelsaft leben davon viele Partien hintereinander zu spielen. Bei 504 ist das nicht möglich. Bzw. ist das nicht möglich weil wir in einer Zeit leben in der man zwar Zeit zum spielen findet aber dennoch nicht soviel Zeit hat – vor allem da es ja auch mehr als ein gutes Spiel gibt.

    Meiner Meinung nach liegt die Innovation darin, dass es dieses Element zum Hauptteil des Spiels erklärt wird. Bei Lords of Waterdeep geht dieses Element einfach auch unter.

    Beim der Dominion-Variante hast du Recht. Es wird unberechenbarer bzw. weniger strategisch oder positiv formuliert taktischer. Ich find das ganz reizvoll da man nicht wie sonst erstmal die Auslage analysiert und dann seinen Stiefel runterspielt. Mir haben die zwei Partien die ich bis dato so gespielt habe Spaß gemacht. Natürlich ist es aber ein anderes Spielgefühl.

    1. “Dominionsaft” geht zumindest in die Richtung, die ich mir in meiner Besprechung von Fabelsaft gewünscht habe: ein Spiel mit etwas mehr Wumms dahinter. Jetzt müssten nur noch ein Thema und ein stringenter Handlungsbogen (etwa “Entwicklungsgeschichte der Menschheit” oder “Aufbau einer Stadt”) drauf, ein bisschen an den Mechaniken des Hauptspiels herumfeilen, und da könnte echt was draus werden. Baue er ein solches Spiel. ;)

  3. :-) ist ja lustig, dass du es ansprichst! Ja ich habe kurz nach der Messe sofort begonnen an so einem Spiel zu basteln und mit einem Mechanismus aus einem anderen Prototypen ausprobiert. Mir fällt es aber auch immer schwer, bestehende Mechanismen so einfach zu kopieren. Aber ok vielleicht sollte ich mir da einfach mal weniger Gedanken machen. Vielleicht hat aber auch Friedemann Friese noch was mit dem Mechanismus vor. Man darf gespannt sein.

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