Let’s Talk about… Mystic Vale (Cardcrafting)

Es war schon bestimmt fünf Jahre her, als ich gerade Ideen für ein Kartenspiel sammelte. Ich sah mich mit einem Problem konfrontiert: Man kann die Karten an sich nicht modifizieren. In meinem konkreten Fall wollte ich, dass ein Spieler eine Karte für sich markieren kann. Wie könnte man das umsetzen?

  • Die Karte durch eine gesonderte Karte austauschen (dafür braucht man aber viele Karten in allen erdenklichen Kombinationen).
  • Die Information durch eine “Begleitkarte” in Spielerfarbe vermitteln, die davor in den Stapel kommt (dann kann man aber nicht mehr mischen).
  • Einen Farbpunkt aufkleben oder -malen (das begrenzt aber den Wiederspielwert).
  • Die Farbe mit einer Büroklammer o.ä. anheften (das ist aber fitzelig und schlecht für die Karten, Mischen stell ich mir auch schwierig vor).

Klingt alles irgendwie nicht so toll…!

20170115_16110720170115_160828Nun kommt zu Essen 2016 dieses Spiel Mystic Vale vorbei mit dem sogenannten “Card Crafting”-System. Das Spiel funktioniert ein bisschen wie Dominion, nur kauft man sich keine neuen Karten, sondern “Aufwertungen”. Das sind transparente Folien, die zu einem Drittel (oben, mittig oder unten) bedruckt sind. Man steckt sie in die bestehenden Karten hinein, was durch eine Hülle ermöglicht wird. So können bis zu 3 Aufwertungen miteinander kombiniert werden.

Kritische Stimmen sagen: “Das ist ja genauso, als würde ich bei Dominion einen Cantrip kaufen!” Ein Cantrip ist eine Karte, die sich selber ersetzt, also neben dem eigentlichen Effekt noch +1 Karte, +1 Aktion gibt; wenn man sie ausspielt, verbraucht sie also keinen Platz auf der Hand oder bei den Aktionen. Aber das Cardcrafting-System halte ich schon für etwas mehr als das. Man kann sich gezielt Effekte auf einer Karte zusammenstecken, um bestimmte Kombinationen zu erzeugen.

Auch wenn es in Mystic Vale etwas an den Haaren herbeigezogen ist, von Kombinationen zu sprechen – wirklich relevant ist es nur, die Wächtersymbole (Helme) auf einer Karte zu “kombinieren”, weil das von bestimmten Effekten belohnt wird. Sonst gibt es noch die allgemeine Entscheidung, ob man lieber viele mittelmäßige Karten will oder wenige starke bzw. ob man die schlechten Karten mit dem bösen roten Verfallssymbol überhaupt verbessern möchte. Allerdings fühlt sich eine Karte echt völlig anders an, wenn sie aufgewertet wurde – so wie sich bei Dominion ein Gold viel besser anfühlt als ein Kupfer. Hier wird die Karte dazu auch noch haptisch schwerwiegender, was dieses Gefühl unterstützt. Mystic Vale bringt auf diese Weise durchaus ein eigenes Spielgefühl mit sich, das das sicher ziemlich kostspielige Material rechtfertigt. Das Spiel enthält noch einige andere Mechaniken, aber das soll ja hier keine Rezension sein. Ich will nur erwähnen, dass Pegasus jetzt die versprochene Erweiterung als 2-in-1-Paket angekündigt hat, die etwas Abwechslung ins Spiel bringen soll.

Unabhängig vom Spiel erscheint mir das Card-Crafting-System mit den Kartenhüllen sehr vielversprechend. Es ermöglicht sozusagen temporäres Speichern von Informationen auf einer Karte. Dadurch eröffnen sich für Autoren einige neue Möglichkeiten. Wenn ich wieder an mein 5 Jahre altes Problem denke, wäre es etwa ein Leichtes, die Spielerfarbe in eine Kartenhülle zu schieben. Eine weitere spontane Idee wäre das Überdecken von negativen Effekten durch positive Effekte. Oder man könnte die Karte als geheimen Informationsträger benutzen. Der große Nachteil ist natürlich, dass man das Spiel komplett “gesleevt” herstellen muss. Zu den Kartenhüllen kommen auch noch die unkonventionellen bedruckten Folien. Man sollte sich also wie immer fragen, ob es das wert ist. Aber erstmal sind der Kreativität ja keine Grenzen gesetzt…

Titelbild: Pegasus.de

1 Gedanke zu „Let’s Talk about… Mystic Vale (Cardcrafting)

  1. Es gibt von Staedtler nicht-permanente Stifte aus der Reihe “Lumocolor correctable”, die auf entsprechend beschichteten Karten halten und sogar Mischen erlauben dürften; aussagekräftige Tests stehen noch aus, aber wenn man die so temporär bemalten oder beschriebenen Karten in Sleeves steckt und dann mischt, sollte es auf jeden Fall funktionieren, einerseits “lebende” Karten zu erzeugen, die andererseits nach dem Spiel wieder “zurückgesetzt” werden können. Ist natürlich mit Aufwand verbunden, alle so eingetüteten Karten wieder auszutüten und dann noch sauber zu wischen. Zum Teil ist das bei Mystic Vale ja auch schon so. Von daher sollte der Spielspaß eines Spiels, das so viel Maintenance erfordert, ausreichend hoch sein…

    Link zum Produkt Test in meinem Blog: http://christianscholz.com/2016/05/20/staedtler-lumocolor-correct-f-trocken-abwischbarer-folienstift/

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