Autoreninterview mit Jochen und Super Fantasy Brawl

Brettspielelabor: Jochen, du bist ein junger Autor und die wenigsten dürfen dich kennen. Stell dich doch kurz vor und erzähl, wie du zum Spieleerfinden gekommen bist.

Ich heiße Jochen, bin 31 Jahre alt, Lehrer und wohne mit meiner Frau und meinen (sehr bald) 2 Kindern in Traunstein im wunderschönen Chiemgau. Neben dem Spieldesign sind Sport, alle möglichen Outdooraktivitäten und Reisen meine großen Leidenschaften.

Ich entwickle Spiele seit ich denken kann, schon bei diversen Rittergefechten auf der Legoburg mussten meine Kumpels sich nach den von mir festgelegten Bewegungswerten richten und auswürfeln, ob ihr Robin Hood den Pfeil jetzt tatsächlich trifft und so ging das halt weiter.

image3

 

Brettspielelabor: Welche Art von Spiele entwickelst du denn?

Vielleicht zunächst was zu meinem eigenen Spielegeschmack: ich bin ein typischer Ameritrash-Fanatiker und liebe konfliktbetonte Spiele mit haufenweise Komponenten, Würfeln und bunten Figuren (Arcadia Quest, Starcraft the Boardgame, Cosmic Encounter, Netrunner sind so meine derzeitigen Favoriten). Mit den meisten klassischen Euros kann ich eher weniger anfangen, mich persönlich reißen Spiele, bei denen man nur irgenwelche Rohstoffe durch die Gegend handelt und am Ende Siegpunkte zählt einfach nicht mit (Sorry wegen der Verallgemeinerung ;))

Meine Spiele sind daher ausschließlich konfliktbetont, taktisch, actionreich und stark von diversen Computerspielen inspiriert. Das gilt besonders für mein aktuelles Projekt Super Fantasy Brawl, das wohl erste ernstzunehmende Spiel welches ich bis dato entwickelt habe.

 

 

Brettspielelabor:  Super Fantasy Brawl bezeichnest du auch als MOBA Spiel. Was ist MOBA und in wie fern ist dein Spiel davon inspiriert?

MOBA steht für Multiplayer Online Battle Arena und ist ein Computerspielgenre. In diesen Spielen (prominenteste Vertreter sind wohl League of Legends und DOTA 2) bilden die Spieler 2 Teams aus je 5 Helden wobei jeder Spieler einen Helden mit eigenen Stärken und Schwächen kontrolliert. Gemeinsam versucht man dann die gegnerische Basis zu zerstören. Interessante Aspekte sind hier der starke Teamworkaspekt (Helden haben unterschieldiche Einsatzgebiete und müssen sich daher massiv gegenseitig unterstützen), das Antizipieren und richtige Reagieren auf gegnerischer Manöver, die Möglichkeit Überraschungsangriffe zu starten, dem Gegner Fallen zu stellen usw. Ich habe die Aspekte, die mir am besten gefallen herausgesucht und um diese herum das Spiel designt. Die Kunst ist dann, an den richtigen Stellen zu reduzieren, damit das Ganze ohne zuviel Upkeep spielbar bleibt.

 

 

Brettspielelabor: Man kann Super Fantasy Brawl auch schon spielen. Und zwar online auf Tabletopia. Was ist deine Erfahrung als Autor mit Tabletopia. Wie funktioniert das Einstellen eines Spiels oder anderes gefragt, bekommt das auch ein wenig Computer versierter Spieleautor hin. Wird dein Spiel auch gespielt und was erhoffst du dir davon

Ich bin extrem begeistert von Tabletopia (ich habe mir noch keine vergleichbaren Programme näher angeschaut, denke aber, dass für diese Ähnliches gilt). Ich bin nicht sonderlich computeraffin, aber wenn man sich mal etwas reingefuchst hat kann man gerade komponentenarme Spiele sehr schnell implementieren. Im Prinzip lädt man nur entsprechende Grafiken hoch, die dann wahlweise als Karten, Spielplan, Tokens usw.dargestellt werden. Außerdem gibts eine ganze Reihe vorgefertigte Standardmaterialien wie Pöppel, Würfel und vieles mehr. Man sollte nicht erwarten, dass man das Spiel hochladen und dann darauf warten kann, dass neugierige Menschen es selbsständig anspielen. Womit ich jedoch sehr gute Erfahrungen machen konnte, ist interessierten Spielern anzubieten, ihnen das Spiel  persönlich zu zeigen. Auf diese Weise habe ich schon unzählige Einführungsrunden spielen könen, auch mit Spieleautoren aus der ganzen Welt, mit jeder Menge wertvollem Feedback. Außerdem ist es sehr bequem, Komponenten zu verändern oder upzudaten ohne neu basteln zu müssen und der Spieltisch räumt sich von alleine auf ;). Es gibt allerdings auch ein paar Einschränkungen: Tabletopia funktioniert nicht besonders gut, wenn man nicht gleichzeitig in einme Voice Chat wie Skype verbunden ist und wird auch bei großen Spielerzahlen schnell unübersichtlich. Außerdem werden einige Mechaniken noch nicht wirklich gut unterstützt wie z.B. Karten-Weiterreichen für Draftsysteme.

Man sollte Tabletopia auch nicht als Tool sehen, welches das gesellige Spielen am Tisch ersetzen oder mit diesem konkurriert, aber es hat gerade für Designer auf jeden Fall seine Vorteile.

 

image4

Brettspielelabor:  Kann den bei Tabletopia jeder spielen und Spiele einstellen oder braucht man dafür einen Account

Man kann ohne Account kostenlos spielen, hat dann aber nur eingeschränkten Zugriff auf “Premium” Spiele (bei diesen wird der Verlag von Tabletopia abhängig von Spielzeiten “bezahlt”). Soweit ich weiß, kann man auch auf komplett kostenloser Basis ein Spiel implementieren, allerdings dann mit geringerem Funktionsumfang als bei den bezahlten Modellen. Auf ein Spiel, dass man selbst implementiert hat, kann allerdings jeder (auch als Gast – man gibt also nur einen Benutzernamen ein) zugreifen, man kann auch einen entsprechenden Link teilen, der dann direkt in die Lobby führt (z.B. hier)

1455747521

 

Brettspielelabor: Du bietest dein Spiel auch als Print and Play Version an. Gibt es Brettspieler, welche sich ein solch großes Projekt selbst zusammen basteln

Ja, bisher haben sich insgesamt 15 Spieler das Spiel komplett selbst gebastelt, und das sind nur die, von denen ich weiß. Von einigen habe ich auch über einen längeren Zeitraum sehr wertvolles Feedback erhalten. Da ich die Dateien für den eigenen Prototypenbau sowieso hatte, sprach auch nichts gegen eine Veröffentlichung. Ich denke aber, dass gerade bei größeren Projekten (in meinem Fall etwa 16 Seiten) wichtig ist, dass sie optisch was hermachen

 

 

image1

Brettspielelabor: Sehr interessant fand ich auch, dass es zu deinem Spiel schon Rezensionen gibt. Was ist deine Intension dahinter einen Prototypen rezensieren zu lassen? Wie kam das bei den verschiedenen Bloggern an

Ja, darüber wurde schon fleißig diskutiert. Zunächstmal hat der Prototyp schon eine ganze Menge an Testspielen (blind, mit Freunden, in Spiele-Shops, auf Conventions etc.)  hinter sich, so dass die grundlegenden Mechaniken fertig designt sind.  Zukünftige Änderungen werden sich also hauptsächlich auf das fein-Balancing auswirken und das sind Dinge, die jemand, der das Spiel etwa 5 mal spielt gar nicht merkt. Bis auf die Komponenten bekommen die Rezensenten also ein fertiges Spiel, dass sehr gut funktioniert. Ich verspreche mir davon folgendes: 1. Helfen die Rezensionen, Spieletester an Land zu ziehen, die unbedingt notwendig sind, um neue Helden zu balancen und neue Spielmodi auszuprobieren. Die “Hemmschwelle” sich mit einem nicht durch einen renomierten Verlag publizierten Spiel auseinanderzusetzen ist auch mit Tabletopia sehr groß, einige Testgruppen haben sich z.B. nur aufgrund des (recht positiven) Reviews von den Boardgamemonkeys dafür entschieden, dem Spiel eine Chance zu geben. 2. Das Spiel liegt derzeit einem größeren Verlag als Prototyp vor und eine Veröffentlichung wird geprüft. Sollte diese Veröffentlichung nicht zustande kommen, werde ich unter Umständen ein Crowdfunding Projekt für das Spiel starten und auch hier sind Reviews und die dadurch entstehende Öffentlichkeit stark ausschlaggebend für den Erfolg. 3. Erwarte ich mir von den Reviews wertvolle Tipps für kleine Verbesserungen  und auch Einschätzungen bezüglich Zielgruppe usw. Evtl. ist in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Review“ unangebracht, und man sollte eher von ersten Eindrücken oder ähnlichem sprechen.   

 

 

 

Brettspielelabor: Wie geht es mit Super Fantasy Brawl weiter? Gibt es Überlegungen (Verlag, Kickstarter etc.), damit es eines Tages auch in meinem Spieleregal liegen kann.  

Was du (und der geneigte Leser) an dieser Stelle jetzt bereits tun kannst ist, mit mir Kontakt aufzunehmen, Kritik/Lob zu äußern das Spiel mal anzuspielen und bei Gefallen der eigenen Spielgruppe vorzustellen, hier gibt’s nämlich tatsächlich die Chance Ideen, kleine Änderungen usw. mit ins Spiel einzubringen und auf den Designprozess Einfluss zu nehmen. Ich bin gerade dabei 4 neue Helden auszuarbeiten, und die Ideen zu diesen kamen schon zum Teil von Freunden, Fans ;) und Testspielern. Ich erkläre jedem, der interessiert ist gerne die Bedienung von Tabletopia und auch wie mein Spiel funktioniert und bin offen für jegliche Kritik und Verbesserungsvorschläge. Auch helfe ich gerne, wenn ihr selbst einen Prototypen implementieren wollt. Kontaktaufnahme am besten über meine FB Seite https://www.facebook.com/superfantasybrawl/

 

 

 

Brettspielelabor: Jochen, vielen Dank für das Interview und ich hoffe wir sehen bald mehr von dir.

Ja, gerne. Dir auch vielen Dank für die tolle Seite – ich denke dass Vernetzung von Spiele-Autoren zu den wichtigsten Aspekten des Autorendaseins gehört, und da leistest du einen klasse Beitrag!

1 Gedanke zu „Autoreninterview mit Jochen und Super Fantasy Brawl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.