Spieleautorentreffen Göttingen 2016

 

Göttingen ist schon ein paar Tage her. Seitdem habe ich Prototypen gebastelt, getestet und Schlaf nachgeholt. Wie auch in den Jahren zuvor hat es sich auch diesmal gelohnt, die weitere Reise auf sich zu nehmen.

Ich habe versucht, mich an meine eigenen Vorschläge zur Vorbereitung zu halten. So hatte ich zwei gut getestete Spiele dabei und hatte mir auch schon gut überlegt, wen ich von den Redakteuren ansprechen möchte. Das strukturierte Vorgehen hat mir sehr geholfen und hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, sich gezielt mit der Vorbereitung von Veranstaltungen wie Göttingen oder Haar zu beschäftigen. 

Rückblickend habe ich in den Jahren davor viel Lehrgeld bezahlt. Ich bin aber froh, für jeden Rückschlag und für jede kleine Hoffnung die mich in meinem Tun bestärkt haben. Umso schöner fühlte es sich dieses Jahr an, eine Entwicklung erkennen zu können.

Neben Gesprächen mit Redakteuren habe ich aber auch versucht mit vielen Autorenkollegen zu sprechen. Es ist immer wieder spannend wie viele geniale Ideen der eine oder andere hat. Super war auch, dass einige Autoren in der Stadt unterwegs waren. So konnte ich Freitag und Samstag abends einige von euch treffen.

 

Gespräche mit anderen Autoren

Ein Autorenkollege, den ich kennenlernen durfte, war Daniel Bernsen.

Labor: Daniel, seit wann entwickelst du denn Brettspiele?  

Daniel Bernsen: Mit der Entwicklung von Brettspielen habe ich vor vier Monaten, im Februar, begonnen. Seitdem sind in kurzer Zeit drei Spiele soweit entwickelt, dass ich sie als Prototypen mit nach Göttingen nehmen konnte. Auf dem Spieleautorentreffen war ich daher zum ersten Mal.

Labor: Mit welchen Erwartungen bist du denn nach Göttingen gekommen?

Meine Erwartungen? Raus aus dem abgeschiedenen Dasein als neuer Spieleautor, der seine Spiele im stillen Kämmerlein entwickelt: Kollegen kennenlernen, andere Prototypen spielen, sich austauschen und natürlich, auch wenn die Rückmeldungen der eigenen Testgruppen richtig gut sind, mal schauen, wie gut oder schlecht die eigene Arbeit im Vergleich ist.

Labor: Rückblickend gesehen, haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Daniel Bernsen: Meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Es waren zwei wirklich gute Tage in Göttingen: mit sehr guten Gesprächen mit neuen und erfahrenen Autoren, ebenso konkreten wie konstruktiven Rückmeldungen, vielen interessanten und qualitativ exzellenten Prototypen und das Ganze in einer durchweg netten, kollegialen Atmosphäre. Das ist toll, gerade auch für neue Autoren.

Daniel schreibt auf seinem Blog Spielewerkstatt ebenfalls zum Thema Spieleentwicklung. Zudem veröffentlicht er dort seine Spiele von Zeit zu Zeit auch als Print and Play-Spiele. Schaut also ruhig mal bei ihm vorbei.

 

Hinter den Kulissen

Jonas wohnt ja zurzeit in Göttingen. Deshalb konnte er Reinhold Wittig, der das Treffen nun zum 35. Mal organisiert hat, ein bisschen über die Schulter schauen:

wp-1466160556816.jpgReinhold Wittig ist immer wieder für Überraschungen gut. In seiner wöchentlichen Autorenrunde kam er zwei Wochen vor dem Treffen mit einer großen Kiste an. Als er sie öffnete, kam mir ein breites Lächeln aufs Gesicht: Sie war randvoll mit quaderförmigen schwarzen Holzklötzen. Auf jedem stand in goldenen Lettern: HEIMLICH UND CO — TRESOR, darunter ein Perlhuhn.

Ein neues Plakat für Besucher aus der Stadt

Dies sollte die Eintrittskarte für dieses Jahr werden. Es waren noch Steine aus der Zeit, als Reinhold das Spiel von Wolfgang Kramer in seinem Verlag “Edition Perlhuhn” in einer Rolle verkauft hat, bevor es bei Ravensburger landete. Über 200 dieser Steine hat er dann seitlich durchbohrt und jeweils auf ein Band gefädelt, das man sich umhängen sollte. Die in den letzten Jahren sehr gedrängte Einlass-Situation am Samstagmorgen wurde dadurch aufgelockert, dass man sich dieses Band auch später am Vormittag noch holen durfte.

Am Sonntag ist das Treffen ja für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieses Jahr gab es tolle neue Plakate dafür. Ich finde es schön, dass die meisten Autoren auch am Sonntag ihre Spiele zeigen. Es geht eben nicht nur um eiskalten Business. Ich trug aus Spaß daran meinen Tresor-Anhänger auch noch am Sonntag. Die Gäste von außen, die an meinen Tisch kamen, haben sich auch sehr darüber gefreut. Ich wünsche mir, dass das Göttinger Autorentreffen auch in Zukunft seine freundschaftliche Atmosphäre beibehält. Und das liegt nicht zuletzt auch an den Teilnehmern! :-)

 

Spieleautorenstipendium

Auch in diesem Jahr wurde im Rahmen des Spieleautorentreffens zum 21. Mal das Spieleautorenstipendium vergeben. Bewerben kann sich jeder der mindestens zwei Prototypen besitzt und noch kein Spiel veröffentlicht hat. Aus den Bewerbungen werden dann fünf Autoren nominiert. Diese Stellen dann in Göttingen ihre Prototypen der Jury vor. Dieses Jahr waren nominiert: 

  • Marco Kujat
  • Rocky Bogdanski
  • Michael Kallauch
  • Angelika Roth
  • Abel Stolz

Das mit 3000€ dotierte Stipendium gewonnen hat Marco Kujat. Er trägt sich damit in eine lange Liste von Preisträgern ein. Viele davon sind heute fester Bestandteil der Branche. Doch auch den Nicht-Gewinnern kann ich sagen: Es gibt auch andere Wege ein guter und erfolgreicher Autor zu werden. Nicht aufgeben sondern dranbleiben. Ich spreche da aus Erfahrung. Mehr über den Gewinner und die Nominierten kann man auf der Homepage von Spiel des Jahres nachlesen

 

Verlagsbriefkästen

Im Vorfeld gab es auch die Ankündigung der Verlagsbriefkasten-Aktion durch die Spieleautorenzunft. In Gesprächen mit Autoren, aber auch Redakteuren habe ich herausgehört, dass sie grundlegend erstmal positiv wahrgenommen wurde. So gab es Verlage, die aufgrund einer Kurzübersicht zu einen Tisch gelotst wurden, aber auch Verlage, welche die Zettel eingepackt haben um sie sich, zurück am Schreibtisch, noch einmal anzuschauen. Ich hoffe, ihr habt alle eure E-Mail Adresse darauf hinterlassen.

Ich fand die Aktion positiv und bin der Meinung das sich die Briefkästen gerne etablieren dürfen.  Um die Aktion auszuwerten zu können, ruft die Spieleautorenzunft dazu auf, ihr Rückmeldung per Mail (presse@spieleautorenzunft.de) zu schicken. Nutzt doch diese Möglichkeit eure Erfahrungen mitzuteilen damit in Zukunft die Verlagsbriefkästen noch besser werden. 

Diesmal nicht so ein großer Bericht. Aber meine Ausreden sind hoffentlich verständlich: Ich muss weiter basteln und testen und ihr solltet das auch tun.

 

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