Spieleautorentreffen Teil 2

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle beschrieben, wie man sich auf ein Spieleautorentreffen wie Göttingen bzw. Haar vorbereiten kann. Heute soll es weniger um die Vorbereitung gehen. Vielmehr möchte ich ein paar Eindrücke schildern und Tipps geben. 

 

Stimmung wie beim Klassentreffen

Die Spieleautorenszene ist klein und übersichtlich. Viele der Autoren und Redakteure kennen sich persönlich oder sind sogar befreundet. Obwohl es hier ums Geschäft geht ist die Stimmung entspannt und familiär. Und auch wenn alle Autoren um die Gunst der Redakteure buhlen, sehen die wenigsten sich als Konkurrenten. 

 

Sprich mit anderen Autoren!

Wie gesagt, die wenigsten Autoren sehen sich als Konkurrenten. Deshalb verlasse ruhig mal deinen Platz und sprich die anderen Autoren an. Zum Einen ist der Austausch mit Kollegen wichtig, zum Anderen kann man dadurch viel erfahren. Mein erstes Autorentreffen ist im Nachhinein ein voller Erfolg gewesen. Denn einer der Autoren mit dem ich gesprochen habe lud mich zu einem Testwochenende mit anderen erfahrenen Autoren ein. Hätte ich nicht mit ihm gesprochen, hätte ich das niemals erfahren.

Lasst euch auch ruhig mal die Spiele der Anderen erklären. Zum einen kann man lernen, wie man seine Spiele gut bzw. schlecht präsentiert. In beiden Fällen kann man davon lernen. Zum anderen bekommt, wer sich für die Spiele Anderer interessiert, dieses entgegengebrachte Interesse oftmals zurück. Und so habe ich es nicht selten erlebt, dass ich von anderen Autoren bei solchen Treffen schon einen super Tipp bzw. Verbesserungsvorschlag bekam, nachdem ich ihnen mein Spiel erklärt hatte.

Die Angst, wenn ich meinen Platz verlasse, könnte ich ein Gespräch mit einem Redakteur verpassen, halte ich für unbegründet. Natürlich, wer nie an seinem Platz ist, kann auch keine Spiele vorstellen. Wie so oft im Leben geht es darum, dass richtige Maß zu finden. Ich freu mich jedenfalls, wenn ihr bei mir vorbeischauen würdet. Ich freue mich immer, neue Autorenkollegen kennenzulernen.  

 

Wie auf Redakteure zugehen?Unbenannt

Die meisten Redakteur*innen versuchen auf jeden Tisch einen Blick zu werfen. Doch aufgrund der Zahl von Autoren kann nicht jeder Redakteur an jeden Tisch vorbeikommen. Deshalb muss man von Zeit zu Zeit auch mal auf einen Redakteur zugehen und fragen ob er an den eigenen Tisch kommen möchte. Doch bevor man einen Redakteur anspricht, sollte man überlegen, wen man ansprechen möchte. Denn nicht jeder Redakteur sucht alles. Im besten Fall hast du dir schon Gedanken gemacht, welcher Verlag am besten zu deinem Spiel passen würde. Wenn du die Redakteure nicht kennst, dann kauf dir das Heft „Spiel&Autor“. In dieser Spieleautorenzeitschrift sind meist Bilder der Redakteure*innen abgedruckt.  

Ein No-Go finde ich es im Übrigen, wenn um den Tisch an dem ein Redakteur sitzt fünf Autoren drum rum stehen und sobald dieser aufsteht alle auf ihn stürzen. Gut, manchem Redakteur mag das vielleicht nichts ausmachen – ich finde die Situation aber unglücklich und wäre ich ein Redakteur, würde es mich nerven. 

 

Das Gespräch mit Redakteuren

Wer mit Redakteuren spricht muss sich klar sein: Für sie ist Spielen kein Hobby sondern ihre tägliche Arbeit. Es geht zwar auf einem solchen Treffen nicht wie auf einer Businessmesse zu, aber doch sollte man sich und sein Spiel gut und als Gesamtprodukt darstellen. Hier ein paar Ideen/Tipps, wie man das Gespräch mit Redakteuren angehen kann: 

  1. Sei du selbst.
  2. Beim Erklären deines Spiels ist es am Anfang sinnvoll, dem/der Redakteur*in ein paar Fakten über das Spiel zu sagen. Spieleranzahl, Spieldauer, Einordnung (Familienspiel, Strategiespiel, Kinderspiel etc.). Vielleicht hast du jemand von Kosmos vor dir und du sagst: Das Spiel “Voll auf die Mütze” ist ein Familienspiel für 2 – 5 Spieler und dauert etwa 10 Minuten. Vielleicht denkt er/sie nun: Ja super das ist genau die “Art” von Spiel die ich suche und hört von nun an aufmerksam zu. Natürlich kann es an dieser Stelle auch schon passieren, dass der/die Redakteur*in sagt: Danke, leider suchen wir derzeit keine Familienspiele. Der Vorteil ist dabei nun, dass man evtl. noch ein zweites Spiel hat und der Redakteur gerne bereit ist, sich das auch erklären zu lassen. 
  3. Versucht euer Spiel so unaufgeregt und strukturiert wie möglich zu erklären. Denn einer unaufgeregten und strukturierten Erklärung kann man besser folgen. 
  4. Vermeide Erkärungsanfänge wie “Das Spiel ist wie XY”. Ich mach das auch gerne. Denn oftmals ist etwas leichter zu erklären, wenn man etwas schon kennt. Redakteure suchen aber etwas neues und der Satz “Das ist wie Spiel XY” ist da nicht gerade förderlich. Und wenn der Redakteur Spiel XY kennt wird er selbst erkennen, dass es Ähnlichkeiten hat. Somit ist es auch nicht wichtig es zu erwähnen. 
  5. Sage einem Redakteur, was dein Spiel einzigartig und besonders macht. 
  6. Nutze das Gespräch mit dem Redakteur. Wer nicht nachfrägt, kann nichts erfahren. Gerade wenn ein Redakteur an einem Spiel nicht interessiert ist, kann man auch ruhig mal nachfragen, warum kein Interesse besteht. Klar manchmal heißt es dann: Passt nicht ins Verlagsprogramm… oftmals geben Redakteure aber auch gerne fundierte Rückmeldung. Und dann kann man unheimlich viel lernen. Wie denken Redakteure*innen, welche Sicht auf Spiele haben sie.
  7. Schätze die Zeit der Redakteure. Wie gesagt ist es wichtig, mit Redakteuren ins Gespräch zu kommen. Sie aber nicht gehen zu lassen, weil man ohne Punkt und Komma redet, ist auch nicht gut.

 

Von Visionen und Träumen

Vielleicht träumst du auch schon von deinem Spiel in einer Schachtel und wie Redakteure von deinem Spiel schwärmen und es dir aus der Hand reißen. Vielleicht hast du dich sogar schon bei der Spiel des Jahres-Verleihung mit diesem Spiel gesehen. Visionen und Träume treiben uns an, sie führen dazu, dass wir Höchstleistungen erzielen und unser Bestes geben.  

Zwischen all den Visionen und Träumen sollte man aber auch realistisch bleiben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass Redakteure Schlange um dein Spiel stehen. Denn dazu gibt es zu viele Autoren die ebenfalls, sowie du auch, geniale Ideen haben. Bereite dich so gut wie möglich vor und sei nicht eintäuscht, wenn nicht alle Redakteur*innen in Jubelstürme ausbrechen. Freu dich über jeden kleinen Erfolg. Ein gutes Gespräch, ein Redakteur*in, der einen Prototyp anfordert oder eine Regel mit nach Hause nimmt. Freu dich, wenn du nette Menschen kennen gelernt hast. 

Und am Ende werden die einen oder anderen Träume und Visionen auch wahr. Vielleicht steht dein Spiel in ein oder zwei Jahren dann in meinem Spieleregal. 

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