Spieleautorentreffen – Vorbereitung Teil 1

In Deutschland gibt es zwei große Spieleautorentreffen bzw. Messen. Und zwar in Haar und in Göttingen. Dort trifft sich die Szene und man hat die Chance, mit den Redakteuren der verschiedenen Verlage in Kontakt zu treten, um seine eigenen Spiele vorzustellen. Wer noch nicht da war, sollte überlegen, auf einem der Treffen mal vorbei zu schauen. Es lohnt sich! Doch man sollte sich auch ein bisschen darauf vorbereiten.

Und da sind wir schon mittendrin. Das wichtigste ist, dir zu überlegen, welche Spiele du mitnehmen möchtest. Nimm nur Spiele mit von denen du 100% überzeugt bist. Hierbei stimmt sicherlich das Sprichwort „Weniger ist mehr“. Nimm also nur deine Perlen mit. Durchschnitt gibt es genug. Die Auswahl der Spiele ist aber nicht die einzige Möglichkeit sich auf ein solches Autorentreffen vorzubereiten:

 

Prototyp:

Keiner auf dem Treffen rechnet damit, dass dein Prototyp sofort produzierbar ist. Wichtiger ist, dass die Qualität, also die „inneren Werte“ des Spiels stimmen. Doch ich denke, dass ein schön anzusehender Prototyp auf einen selbst attraktiver und interessanter wirkt. Was auf dich selbst interessanter wirkt, beeinflusst auch einen Redakteure bewusst oder unterbewusst. Denn Redakteure sind wie wir auch nur Menschen. Wenn du also die Möglichkeit hast, nimm dir ruhig ein bisschen Zeit für die Gestaltung deiner Prototypen. Das heißt nicht das du aufwendige Grafiken brauchst. Eine Spielkarte die mit dem Computer geschrieben wurde macht aber einen anderen Eindruck als eine Karte die unleserlich per Hand geschrieben wurde. Was aber mit Sicherheit nicht funktionieren wird: Mit dem Aussehen des Prototyps über die Schwächen des Spiels hinwegzutäuschen. Denn die Redakteure vor Ort sind Profis.

Egal wie dein Spiel aussieht, eins sollte aber selbstverständlich sein. Das Spielmaterial sollte komplett und auf aktuellem Stand sein. Es hört sich einfach unprofessionell an wenn man beim Erklären des Spiels Aussagen hört wie „Ja das Symbol ist nicht mehr aktuell“ oder „an dieser Stelle habe ich mir überlegt, ob nicht diese Regel sinnvoll ist“. Für die meisten von uns ist das ein Hobby, aber für die Redakteure vor Ort ist das professionelle Arbeit und deshalb sollte man seinen Prototyp auch so professionell wie möglich präsentieren.

Ach, das wichtigste hätte ich doch jetzt fast vergessen. Das sollte aber klar sein. Prototypen sollten getestet werden, bevor man sie einem Verlag zeigt! Einmal reicht dabei nicht. Ungetestete Spiele mitzubringen ist ein No-Go und wirft kein gutes Licht auf dich als Spieleautor.

 

Fragebogen:

Wer sein Spiel gut kennt, kann es auch gut präsentieren. Deshalb mach dir ein paar Gedanken zu deinem Spiel und wie du dein Spiel gut präsentieren kannst. Das machst du am Besten mit jedem einzelnen  Spiel. Hier mal ein paar Fragen, über die es sich evtl. lohnt nachzudenken.

– Was macht dein Spiel einzigartig?

Als kreativ schaffende Menschen sind wir überzeugt von dem, was wir tun. Sonst würden wir es ja auch nicht tun. Dennoch müssen wir anerkennen, dass andere mindestens genau so gut sind. Und die Aufgabe des Redakteurs ist es die Perlen zu finden. Deshalb ist es wichtig zu zeigen, was dein Spiel besonders und einzigartig macht. Was grenzt es von dem was es schon gibt ab? Das heißt nicht, dass alles neu sein muss. Innovation kann es auch sein, etwas besser zu machen.

– Welche Schwächen besitzt dein Spiel?

Sei ehrlich, hat dein Spiel Schwächen? Wenn ja, schreibe sie dir auf. Sie werden dir helfen, dein Spiel besser kennen zu lernen. Dein Spiel hat keine Schwächen? Glaub ich nicht, jedes Spiel hat objektive und subjektive Schwächen. Es geht auch nicht darum, dass man gegenüber dem Redakteur die Schwächen des Spiels anspricht, sondern darum, dass du der Experte deines eigenen Spiels sein solltest. Und dazu gehört, es auch die Schwächen des Spiels zu kennen.

– Der Name deines Spiels?

Wir nehmen uns viel Zeit für Balancing, Spielmaterial etc.. Wofür sich die meisten (mich eingeschlossen) aber oftmals keine Zeit nehmen, ist der Spielname. Warum auch, wird er meist doch vom Verlag verändert. Und dennoch bin ich, ähnlich wie bei der Gestaltung, mittlerweile davon überzeugt, dass ein gut klingender Name etwas verändern kann. Ein schlechter, langweiliger Name wird zwar nicht dafür sorgen dass ein Redakteur das Spiel ablehnt aber ein gut klingender Name kann vielleicht auch Interesse wecken und zudem deutlich machen, dass man sich bis ins Detail Gedanken gemacht hat.

– Dein Spiel in einem Satz?

Dieser eine Satz sollte etwas über das Spiel sagen und gleichzeitig dafür sorgen dass das Gegenüber mehr über das Spiel wissen will. Nicht einfach, aber wenn man einen gefunden hat ist es der perfekte Anfang, wenn du einem Redakteur dein Spiel erklären darfst. Ganz nach der Redensart: “Der erste Eindruck zählt” nutze also deiner ersten 10 Sek. optimal, um dein Gegenüber für dein Spiel zu begeistern.

– Welche Regeln sind wichtig, um zu verstehen, wie das Spiel funktioniert?

Du wirst nicht drum rum kommen dein Spiel zu erklären. Der Unterschied zum erklären bei einem Spieleabend ist, dass die Spiele bei einem Spieleautorentreffen in Haar oder Göttingen je nach Spiellänge maximal angespielt werden. Klar wenn das Spiel 5 Minuten dauert wird es mit Sicherheit auch mal komplett gespielt. Wenn dein Spiel aber länger und komplexer ist, überlege dir, welche Regeln wichtig sind um zu verstehen wie das Spiel funktioniert. Übe das Erklären ruhig mal ein. Das hilft, vor Ort dann strukturierter die Regeln vortragen zu können. Wer gut erklären kann, hilft dem Redakteur sich auf das Spiel einlassen zu können. Denn dieser denkt auch „Ah cool das ist ja nicht so schwer“.  Dabei ist egal ob es sich bei deinem Spiel um ein Kinderspiel oder Expertenspiel handelt. Je zugänglicher ein Spiel ist, desto besser. Passe also auf, dass du das Spiel durch unstrukturiertes Erklären nicht komplizierter machst als es ist.

– Welche Zielgruppe soll das Spiel ansprechen?

Überlege dir, welche Zielgruppe dein Spiel haben könnte. Nachdem du eine Zielgruppe ausgemacht hast, kannst du überlegen, welche Verlage für diese Zielgruppe Spiele im Verlagsprogramm anbieten. Vielleicht sind Sie bei der Messe vor Ort und du kannst sie ansprechen.

 

Spielregeln:Spieleautorentreffen - Spielregel

Wenn du noch keine Spielregeln für deine Prototypen geschrieben hast, wird es jetzt Zeit. Das Regelschreiben ist nicht einfach, sollte aber ernstgenommen werden. Denn wenn ein Redakteur wirklich deinen Prototyp anfordern oder mitnehmen möchte, dann muss er dein Spiel mithilfe der Spielregeln lernen. Die Spielregel bietet also den ersten Kontakt des Redakteurs mit deinem Spiel. Sorge dafür, dass es nicht nur beim Regellesen bleibt. Eine gute und damit verständliche Regel kann dabei helfen.

 

Kurzübersicht:

Eine Kurzübersicht über dein Spiel kann Sinnvoll sein. Denn diese Kurzübersicht kann man gut weitergeben. Zudem kann ein Redakteur mit einem kurzen Blick schon erfahren, worum es bei deinem Spiel geht und lässt es sich im Anschluss vielleicht auch gerne noch detaillierter erklären. Auf einer Kurzübersicht sollten die wichtigsten Infos stehen. Spielerzahl, Spieldauer, Alter und in Stichpunkten, worum es geht und was das Spiel auszeichnet.

Das erst Erstellen einer Kurzübersicht hat zudem den Vorteil, dass du dir Gedanken machen musst wie du ein möglichst genauen Eindruck deines Spiels auf ein A5 Blatt bekommst. Das hilft dann später auch wieder beim Erklären. Die Kollegen von League of Gamemakers haben sich zur Kurzübersicht bzw. „Sell Sheet“ ein paar sehr gute Gedanken gemacht. Nachzulesen kann man das hier und hier.

 

Visitenkarten:

Visitenkarten sind nützlich, um schnell und einfach Adressen auszutauschen. Zudem kann man sie einfach schnell einpacken und sauber aufbewahren. Visitenkarten sind dabei nicht nur für Redakteure wichtig. Die meisten Visitenkarten nehme ich von Autorenkollegen mit nach Hause um auch in Zukunft mit ihnen in Kontakt zu bleiben.

Das war der erste Teil. Der zweite Teil (gibt es nun hier) kommt dann nächste Woche. Dabei wird es weniger um die Vorbereitung als vielmehr darum gehen, wie du das Event nutzen kannst, sodass es für dich selbst ein Erfolg wird.

Zum zweiten Teil der Vorbereitung geht es hier lang…

2 Gedanken zu „Spieleautorentreffen – Vorbereitung Teil 1

  1. Sehr schön. Ergänzen kann man vielleicht noch, dass die Spielregel ebenfalls getestet sein sollte. Es sollte also mindestens eine Spielgruppe das Spiel nur nach den Regeln erlernt haben und noch nichts Wesentliches darüber wissen (wenn man den Mund halten kann, kann man als Autor/in dabei sein und beobachten, ansonsten kann man auch abwesend sein. Das ist man ja auch, wenn die Redakteur/innen es testen). Wenn eine Spielgruppe es ohne mündliche Erklärungen verstanden hat, dann können die Redakteur/innen das vermutlich auch.

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