Spielspaß: Was ist Spaß?

„Mir muss eine Sache Spaß machen, sonst werde ich krank.“
– Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns

Nun beginnen wir also unsere Serie über Spielspaß. Bevor wir uns fragen können, woran man in Spielen so Spaß haben kann, sollten wir uns aber vielleicht erstmal darüber bewusst werden, was Spaß überhaupt ist. „Vergnügen gehört sicherlich zum Spaß dazu, aber ist Spaß bloß Vergnügen? Es gibt eine Menge Dinge, die uns Vergnügen bereiten, wie zum Beispiel das Essen eines Sandwiches oder in der Sonne zu liegen – man würde diese Aktivitäten aber nicht unbedingt als „Spaß“ bezeichnen. (…) Es ist schon seltsam, dass man einen Begriff sein ganzes Leben lang benutzt und genau weiß, was er bedeutet, ihn aber nicht eindeutig erklären kann“ (Jesse Schell, Die Kunst des Game Designs, S. 61.)

Schlagen wir doch mal im Duden nach. Da finden wir zwei unterschiedliche Bedeutungen für Spaß, grob gesagt Scherz und Vergnügen. Also einerseits das Gegenteil von Ernst, wenn jemand „Spaß/ Späße macht“; andererseits das Gegenteil von Langeweile, wenn etwas „Spaß macht“ oder jemand „Spaß hat“. Uns interessiert als Spieleautoren hauptsächlich die zweite Bedeutung. Andere Sprachen differenzieren das, z.B. im Englischen gibt es „joke“ und „fun“. Das Deutsche ist interessanterweise ziemlich allein mit dieser Doppelbedeutung.

Dies könnte mit dem alten Klischee vom verbissenen Deutschen zu tun haben: Alles, was er tut, nimmt er so ernst, dass er keinen Spaß daran hat. Vielleicht ist so auch die Vorstellung entstanden, Vergnügen sei das Gegenteil von Ernst, Spaß sei nicht ernst zu nehmen. Also höchstens etwas für Kinder oder Nichtsnutze, die „bespaßt“ werden wollen. Achterbahnfahren ist nicht ernst zu nehmen, weil es Spaß macht; Regionalbahnfahren macht keinen Spaß, weil es ernst ist.

Hier müssen wir als Spieler aber heftig widersprechen: Spaß entsteht doch gerade dann, wenn man einen gewissen Ernst für etwas verspürt, was von außen gesehen total irrelevant ist. Wenn man z.B. plötzlich fasziniert ist von dem Lauf der Oberleitung im Landschaftspanorama oder berührt von einem vorher geführten Gespräch, kann Bahnfahren mindestens genauso viel Spaß machen wie Achterbahnfahren. Spaß ist subjektive Begeisterung.

Seit den 1990er Jahren hört man immer wieder den abwertenden Begriff „Spaßgesellschaft“. Ich meine, hiermit soll kritisiert werden, dass Spaß als absolutes Ziel gesetzt wird. Es geht also nicht mehr um die Tätigkeit, an der man Spaß hat, sondern schlicht um den Spaß selber. Wenn Spaß als Konsumgut verstanden wird, von dem man möglichst schnell möglichst viel haben will, wird er ganz schnell oberflächlich: Das Ich ist dann austauschbar. Spaß soll nicht etwas sein, das man an sich geschehen lässt, sondern eine ganz individuelle Aktivität. Es ist ein Gefühl der Erfüllung: Mindestens für diesen Moment, an dem ich Spaß hatte, lohnt es sich zu leben.

Spaß kann man als Autor den Leuten nicht einfach vorsetzen. Man kann ihnen nur einen Horizont geben, in dem sie selber Spaß erleben können. Allerdings kann der dafür mehr oder weniger gut geeignet sein. Jetzt bin ich selber gespannt auf die nächsten Folgen dieser Serie… denn dann werden wir auf diesem Hintergrund versuchen herauszufinden, wie man ein Spiel als möglichst spaßfördernden Horizont gestalten kann.

Hm, jetzt fühle ich mich so lehrmeisterhaft. Dabei bin ich doch bloß ein unerfahrener Spieleautor, der versucht, sich über den Begriff „Spaß“ Klarheit zu verschaffen. Vielleicht habe ich kompletten Murks erzählt? Gibt es dazu genauere Darstellungen? Mich würde eure Meinung dazu interessieren.

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