Spieltz, der Spieleverlag 2.0

UnbenanntMit Crowdfounding über Startnext, Kickstarter oder mit einen Verlag im Rücken bei der Spieleschmiede. Heute gibt es viele Möglichkeiten seine Traum vom eigenen Spiel war zu machen. Doch seinen Traum unabhängig von Spenden der Spielfreaks und Verlagsprogrammen möglich machen? Keine finanzielles Risiko? Professionelle Produktion? Ein eigener Internetshop? Eine lebhafte Community? Das ist unmöglich?

 Nicht mehr, denn mit Spieltz gibt es seit 2009 nun den Spieleverlag 2.0. Jeder darf sein(e) Spiel(e) in einem online Shop anbieten. Produziert wird auf Bestellung. Der Spielplan wird auf LKW Folie gedruckt, was nicht nur gut aussieht sondern auch sehr geschickt ist, nicht nur beim einpacken und verstauen. Wer hat sich nicht schon geärgert das manche Leute das Spiel mit ihrem Wasserglas kaputt gemacht haben. Von nun an heißt es: „Abwischen und weiter gehts“.

© Spieltz
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Wirklich Geld viel verdienen tut Spieltz durch die Produktion der Spiele, welche auf Bestellung gedruckt werden, nicht. Denn die kleinen Auflagen sind teuer. Finanziert wird das Projekt deshalb vor allem von Auftragsarbeiten für Firmen und Vereinen. Diese nutzen die Möglichkeiten ihre Spiele in einer kleinen Auflage heraus zu bringen. Meist handelt es sich dabei um Werbe- Messe- oder Schulungsspiele.

Ein Spieleautor der seine eigene Spiele bei Spieltz herausgebracht hat ist Andreas Dier.

Brettspielelabor: Herr Dier, was hat Sie dazu bewegt, ihre Spiele bei Spieltz produzieren zu lassen?

Andreas Dier: Ich habe im Grunde schon lange ein Faible dafür, mir eigene Brettspiele auszudenken und diese öfters mal im Freundeskreis auszuprobieren. Da liegt es dann irgendwann auch nahe, das eine oder andere davon einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als ich bei der Spieltz-Gründung zufällig im Internet darauf gestoßen bin, war für mich eigentlich sofort klar, dass dies ein guter Weg ist, meine Werke ganz unkompliziert zu veröffentlichen – und das habe ich inzwischen auch insgesamt siebzehnmal getan.

Brettspielelabor: Haben sie schon versucht, ihre Spiele bei einem Verlag unterzubringen?

Andreas Dier: Schon seit längerer Zeit und auch schon vor meiner ersten Veröffentlichung bei Spieltz habe ich öfters mit dem Gedanken geliebäugelt, meine Spielideen bei Verlagen vorzustellen. Doch das habe ich nie wirklich in Angriff genommen. Wohl auch deshalb, weil man in der Regel exakt mit dem kommen muss, was der Verlag von sich aus gerade im Hinblick auf die eigene Verkaufsstrategie sucht. Da gehört dann eine ganze Menge Glück dazu, dass man genau das im richtigen Moment bieten kann. Und meine Kreationen sind größtenteils wohl auch ein bisschen zu eigenwillig, um in das allgemein gefragte Schema zu passen. Das soll natürlich nicht heißen, dass so ein Schritt für meine Spiele komplett ausgeschlossen sein muss.

© Spieltz
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Brettspielelabor: Um was geht es in ihren Spielen?

Andreas Dier: Meinen Shop bei Spieltz habe ich mit “Spiele für Mehrdenker” betitelt. Das sagt im Prinzip schon das Wesentliche aus. Meine Spiele sind etwas für Leute, die gerne spielerisch den Inhalt ihres Kopfes einsetzen und es sind vorwiegend abstrakte Strategiespiele, die teils als Abwandlungen verbreiteter Denkspiele wie beispielsweise Solitär oder Sudoku auftreten: diese heißen “Duitaire”, “Magitaire”, “Hexitaire”, “Saidoku” und “S.W.E.S.K.” (Letzteres gibt es in fünf verschiedenen Varianten). Weiter sind da noch Spiele mit mathematischem Hintergrund – “Prim-Ah!” und “Quadramira” – und außerdem ein Spiel namens “Cadenza!”, das die Grundbegriffe der musikalischen Harmonielere zum Thema hat. Eine besondere Vorliebe habe ich außerdem für dreidimensional gestaltete Brettspiele. Sowas ist natürlich mit den bei Spieltz verfügbaren Mitteln nicht ganz so einfach umzusetzen, wobei ich immerhin bereits drei derartige Spiele verwirklichen
konnte: “Stackstair”, “Würfelwürfel” und “Runter oder rauf”. Um die Liste noch vollständig zu machen, muss ich jetzt nur noch “Lunar Ads” und “Marpione” nennen.

Brettspielelabor: Was muss man beachten, wenn man bei Spieltz ein Spiel veröffentlichen will?

Andreas Dier: Für ein eigenes “Spieltz” braucht man grundsätzlich mal eine Druckdatei für den Spielplan, die Spielanleitung und die Angabe, welches Spielmaterial dazu gegeben werden soll. Die Druckdatei muss als PDF-, JPEG- oder TIFF-Bild in CMYK-Farbdefinition und mit einer Auflösung von 300 DPI vorliegen. Die Anleitung erstellt man als PDF-Datei. Als Spielmaterial stehen standardmäßig Spielfiguren in acht verschiedenen Farben, schwarze und weiße Holzscheiben und Spielchips sowie Sechser-Augen-Würfel zur Verfügung. Möchte man spezielleres Material dazu haben, empfiehlt es sich, vorher direkt nachzufragen, ob das möglich ist. Der Preis, mit dem ein Spieltz verkauft wird, setzt sich aus einem Grundpreis (der im Wesentlichen von der Spielplangröße bestimmt wird) und dem Aufschlag (den man selbst bei Verkauf eines Exemplares haben möchte) zusammen. Das Spielmaterial ist normalerweise im Grundpreis enthalten, wobei dieser bei ungewöhnlich viel
Spielmaterial möglicherweise etwas höher ausfällt. Man sollte selbstverständlich beachten, dass man mit der Veröffentlichung eines Spiels nicht irgendwelche Urherberrechte verletzt. Damit eröffnet man also nun einen Shop, legt darin ein neues Spiel an, macht dazu die Angaben, lädt die Dateien hoch und fordert die Freigabe an. Das wird dann geprüft und wenn alles passt, kann schon kurze Zeit später das Spiel bestellt werden.

Brettspielelabor: Ein eigener Shop. Hört sich gut an! Sind Sie schon reich geworden?

Andreas Dier: Oh ja, und wie… – nein, Spaß beiseite. Man sollte sich unbedingt darüber im klaren sein, dass nicht zwingend sofort zigtausend Bestellungen kommen, sobald man ein Spiel hochgeladen hat. In meinem Fall sind zwar bereits einige wenige Spiele gekauft worden, die Einnahmen liegen aber natürlich deutlich unter dem, was ich bislang für eigene Bestellungen ausgegeben habe. Man will ja zumindest seine eigenen Exemplare haben. Dass man mit der Gestaltung von Spielen richtig reich wird oder zumindest seinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann ist jedenfalls die ganz große Ausnahme – also vielleicht nicht sofort den Job kündigen, sobald man sein erstes Spiel veröffentlicht hat. Mir geht es ja auch nicht darum, damit groß Kasse zu machen. Es macht mir einfach viel Spaß, Brettspiele zu entwickeln und es ist für mich nichts weiter als ein kreatives Hobby.

Brettspielelabor: Worin sehen Sie den Vorteil einer Veröffentlichung bei Spieltz gegenüber dem normalen Weg über einen Verlag?

Andreas Dier: Nun, da man hierbei ja ohne eigene Kosten und ohne irgendwelche Verpflichtungen auskommt, ist das Ganze im Vergleich zu anderen Möglichkeiten praktisch risikofrei. Das bedeutet auch, dass man damit keinerlei Stress hat und sich komplett auf den kreativen Teil konzentrieren kann. Alles andere nimmt einem das Spieltz-Team ab: die Produktion, den Versand, die Zahlungsabwicklung und so weiter. Und man kann so auch ganz ungewöhliche Sachen auf den Weg bringen, die die meisten Verlage noch nicht mal genauer ansehen würden. Ich persönlich finde auch das Konzept mit dem Druck auf LKW-Plane sehr schön. Das ist sehr handlich und kompakt zum Mitnehmen, ziemlich strapazierfähig und es sieht außerdem ausgesprochen gut aus. Natürlich sind die Spiele wegen der Einzelanfertigung ein bisschen teurer als bei einer Massenproduktion, aber die genannten Vorteile überwiegen hier zumindest für meine persönlichen Bedürfnisse ganz eindeutig.

© Spieltz
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Brettspielelabor: Was halten Sie von Crowdfounding? Also die Möglichkeit, sein Spiel von Spielern vorfinanzieren zu lassen.

Andreas Dier: Über Crowdfunding habe ich in diesem Zusammenhang offen gestanden noch gar nicht so genau nachgedacht. Jetzt so ganz aus dem Stegreif denke ich mir, dass das wohl nur dann gut funktioniert, wenn es einem gelingt, genügend Leute derart von einer Spielidee zu überzeugen, dass diese bereit sind, mit einem gewissen Risiko zu investieren – es könnte ja auch sein, dass das Ganze trotz der Vorfinanzierung am Spielemarkt ein Flop wird. Schon für diese Überzeugungsarbeit bedarf es zum Start wohl erst mal einer gewissen Eigenleistung, vielleicht in Form von Musterspielen oder zumindest einer sehr gut ausgearbeiteten Beschreibung. Da kommt mir spontan der Gedanke, dass das Spieltz-Konzept möglicherweise ein hilfreiches Mittel sein könnte, diesen ersten Schritt leichter und gezielter zu ermöglichen. Gleichzeitig könnte wiederum Crowdfunding ein passender Weg sein, um einigermaßen bewährte Spieltz-Spiele damit größer aufzustellen. Also
wären wohl diese beiden Dinge in Kombination so oder so gar kein so abwegiger Gedanke. Meiner Meinung nach ist es jedoch generell wichtig, dass man niemals übersieht und vergisst, dass die notwendige konsequente und qualifizierte Arbeit zur Entwicklung und Vermarktung eines wie auch immer gearteten Produktes durch die Geldquelle Crowdfunding nicht ersetzt werden kann, sondern dadurch eben nur unterstützt oder überhaupt erst ermöglicht wird.

Brettspielelabor: Was dürfen wir von Ihnen noch in Zukunft erwarten?

Andreas Dier: Es wird immer wieder mal etwas Neues geben. Ideen habe ich eigentlich viel mehr, als ich jemals umsetzen könnte. Neben ganz vielen vor sich hin köchelnden Inspirationen sind zur Zeit konkret vier ganz unterschiedliche Spiele am entstehen und stehen schon kurz vor der Vollendung. Es wird aber wohl trotzdem noch ein bisschen dauern bis es weitere Erscheinungen gibt, weil ich mir mit der Ausarbeitung selbst niemals Druck mache – es ist ja für mich nur eine reine Freizeitbeschäftigung und gerade dadurch, dass ich so manches auch mal eine Zeitlang liegen lasse, kann dabei ein gewisser Reifeprozess wirken. Doch ich kann zumindest versichern, dass da bald ein paar ganz nette Dinge kommen werden. Mehr wird aber jetzt noch nicht verraten…

Brettspielelabor: Vielen Dank für das Interview.

Andreas Dier: Bitte schön, das war mir eine große Ehre!

 

Weitere Links:

– Online Shop von Andreas Drier

– Homepage von Spieltz

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