Testen will gelernt sein

In den letzten Wochen war ich Feriengast bei der Spieleautoren-Runde in der wunderschönen Spielwiese Berlin. Es hat mir sehr gefallen dort Prototypen zu testen und ich werde künftig jede Gelegenheit nutzen, dort aufzutauchen. Wenn ich Montagabends mal wieder in Berlin bin. :-)

Eins musste ich dabei feststellen: Andere Spieleautoren sind einfach die besten Testspieler.

Aber was macht eigentlich einen guten Testspieler aus? Kann man das Spieletesten lernen? Dazu möchte ich mal ein paar Thesen in den Raum stellen. Was ist eure Erfahrung damit?

1. Dem Spiel zuhören können

Ein guter Testspieler will nicht einfach unterhalten werden. Seine Konzentration liegt auf dem Spiel. Indem er auf das Spiel einwirkt, versucht er zu erfahren, was das Spiel ihm zurückgibt. Er beobachtet, wie die Mechaniken ineinandergreifen. Er spürt, ob das Thema organisch eingewoben ist. Er lacht laut, wenn er eine Stelle im Spiel lustig findet. Er analysiert, wann das Spielende eintritt und wie sich das auf die Spannung auswirkt. Er sagt, wenn er das Spiel lieber abbrechen würde.

2. Wie ein Kind spielen

Der gute Testspieler geht selbst spielerisch mit den Regeln um. Er ordnet sich den Ideen des Autors unter, aber lässt seinen eigenen Ideen freien Lauf. So kommt er in die Lage, mit dem Autor sinnvoll diskutieren zu können. Kinder nehmen nichts selbstverständlich hin. Sie fragen immer: “Warum?” Oder: “Was ist, wenn?” Warum sollte ich diese oder jene Aktion überhaupt machen? Was ist, wenn keiner diese Aktion hier benutzt?

3. Den Autor verwöhnen

Das Schlechteste, was dem Autor passieren kann, ist das Feedback: “War ganz gut.” Natürlich hilft es auch nicht weiter, ihm mit falschem Lob Honig ums Maul zu schmieren. Der gute Testspieler spricht ungezwungen, ausführlich und vor Allem ehrlich mit dem Autor über seine Eindrücke. Dabei lässt er nur das Spiel gelten, das er gerade gespielt hat, keine Begründungen des Autors. Der Tester hat keine Angst, über Fehler und Ungereimtheiten im System zu sprechen – sondern freut sich, den Autor auf möglichst viele aufmerksam zu machen.

4 Gedanken zu „Testen will gelernt sein

  1. Ich würde prinzipell nicht sagen, das Spieleautoren die besten Testspieler sind.

    Ein guter Testspieler will unterhalten werden. Ein guter Testspieler, spielt einfach als wäre es ein ganz normales Spiel, dass er gerade aus der Schachtel holt. Alles andere ist Aufgabe des Autors. Klar kann dir ein Spieleautor vielleicht diferenziertes Feedback geben. Dafür gibt dir ein ganz normaler Spieler zwar vielleicht nicht mündlich sondern durch seine Körpersprache, Mimik und Emotionen Rückmeldung wie er das Spiel findet. Und war ganz gut! Heißt soviel wie, ja nett aber nicht nochmal. Wenn du aber wirklich was geniales erfunden hast, wird dir niemand sagen, “war ganz gut”.

    Und ein Spiel das nicht gut ist, wird ein Spieler nicht zweimal spielen. Ein Autor hingegen schon.
    Das Testen mit Autoren ist aber dann sinnvoll, wenn man feststeckt. Wenn man gefangen ist in seiner Ideenwelt. Ein anderer Autor kann dir evl. leichter helfen dich davon zu befreien und einen neuen Weg auszuprobieren.

    Ich Test am liebsten mit ganz normalen Spielern. Nur ist es oft schwierig diese zum testen zu bewegen. Deshalb greife ich dann doch öfters auf den
    Spieleautorentest zurück. Denn diese tun sich, im Gegensatz zu normalen Spielern, auch schlechte Spiele an.

  2. Ja, vielleicht ist meine Vorstellung vom Testen zu sehr auf das Feedback konzentriert. Es gibt natürlich viele andere Arten, zu testen. Und alle sind wichtig, insbesondere auch der Test mit völlig unerfahrenen Spielern. Aber für mich ist ein Test mit fundierter Rückmeldung am ergiebigsten. Anderenfalls bewege ich mich ja nur in meinem eigenen Denkmuster, wenn ich nur die Reaktionen der Spieler auswerte. Viele Testspieler können auch ihren Eindruck selbst konstruktiv verbalisieren, man muss dazu ja kein Autor sein.

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