Vom ausgebrannten Spieleautor

Immer wieder höre ich, dass Spieleautoren die Lust am Spieleerfinden vergangen ist. Manchmal sind es Gründe im direktem Umfeld: Viel Stress in der Familie oder Arbeit. Oftmals hat es aber auch mit dem Dasein als Spieleautor selbst zu tun.

Dazu lohnt es sich anzuschauen, welche Motivation viele Spieleautoren haben. Die größte Motivation für junge Autoren dürfte die sein, dass sie einmal ein Spiel rausbringen wollen. Einmal eine selbstentwickelte Idee schön Illustriert in einem Spielwarenladen zu sehen, ist für viele das Größte. Ja, auch ich kann mich von diesem Gedanken nicht immer lösen. Doch ist dies die einzige Motivation, dann dauert es oft nicht lang bis die Luft raus ist. Relativ schnell muss man feststellen, dass es so einfach nicht geht. Denn die Verlage rufen meist nicht mit Hurra-Rufen bei dir an, wenn du ihnen ein Prototyp geschickt hast. Absagen, Rückschläge und vieles mehr sind eher die Regel als die Ausnahme.

Dazu kommt noch, dass viele Verlage oftmals nicht gerade auf Kommunikation setzen. So weiß der Autor oft nicht, ob sein Spiel überhaupt gespielt wurde. Wenn es dann zu einer Absage kommt sind diese Briefe oft auch nicht aufschlussreich. Das alles kann ziemlich demotivierend sein. Wenn man wenigstens wüsste woran es lag, dann könnte man es ja verbessern.

Heutzutage gibt es aber ja ein Hallheilmittel gegen zu vielen Absagen: Crowdfunding. Immer wieder höre ich von Autoren, dass sie keine Lust mehr haben sich der „Willkür“ von Verlagen auszusetzen und stattdessen das Spiel selbst verlegen wollen. Viele solcher Crowdfunding Ideen scheitern dann daran, dass die Autoren merken, dass es nicht so einfach ist Spiele in kleinen Auflagen zu einem vernünftigen Preis zu produzieren.

Doch manch ein Autor scheitert mit seiner Idee schon viel früher und zwar beim Finden von Testspielern. Gerade als unbekannter Autor ist dies ein nicht zu verachtendes Problem. Die meisten Spieler wollen etwas spielen das Spaß macht. Prototypen spielen macht hingegen nicht immer Spaß. Vor allem dann nicht, wenn die Spiele noch in einem sehr frühen Stadium sind.

All das und sicherlich noch vieles mehr kann dazu führen, dass sich ein Spieleautor demotiviert fühlt.

Wie kann man dem vorbeugen? Diese Frage stelle ich mir immer wieder, denn auch ich bin nicht immer glücklich mit meinem Spieleautorendasein.

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen ist: Für wen und warum erfinden wir Spiele?

-Wenn ihr ein Spiel für euch oder eure Spielgruppe erfindet – super! Wichtig ist das man Spiele erfindet, die einem selbst auch Spaß machen. Spiele zu erfinden, die einem selbst keinen Spaß macht ist Arbeit und für die meisten ist Spieleerfinden eher ein Hobby. Der Bereich Hobby wird aber dann überschritten, wenn man mit Verlagen in Kontakt tritt. Denn für die ist es ein Geschäft und deshalb sollte man da auch halbwegs professionell auftreten. Doch bis dahin mach immer das, was dir Spaß macht.

-Für dich ist nicht das Spiel wichtig, sondern der Weg – also der kreative Prozess. Herzlichen Glückwusch, dann lass der Phantasie freien Lauf. Der Spielerszene fehlen kreative, verrückte, abgefahrene Menschen die innovative Spiele entwickeln und sich nicht darum scheren, was Verlage veröffentlichen wollen. Ich bin mir auch ziemlich sicher das Redakteure, das eine oder andere sogar gerne veröffentlichen würden. Doch Redakteure müssen wirtschaftlichen denken und ganz innovative Spiele haben es oft auch schwer.

-Das schönste für dich wäre, wenn andere dein Spiel spielen? Doch leider veröffentlich kein Verlag dein Spiel und Crowdfunding ist auch kein Thema für dich. Dann stell es doch bei Boardgamegeek.com als Print and Play Spiel rein. Dort gibt es viele Leute, die solche Spiele basteln und spielen. Manchmal kann so ein Spiel sogar ziemlich gehypt werden. Und manchmal passiert es sogar, dass dich daraufhin Verlage bei dir melden. Beispiele gibt es dafür genug: zum Beispiel Colonism (Spielworxx). Also auf was wartest du – hole dir den Ruhm, denn du dir verdient hast.

Vielleicht hast du aber auch eine ganz eigene Motivation. In jedem Fall hilft es, sich mit anderen Spieleautoren zusammen zu tun. Man kann sich gegenseitig motivieren und geteiltes Leid ist halbes Leid. Schau doch, ob es in deiner Nähe ein Spieleautorentreffen gibt oder suche dir andere Spieleautoren und organisiere selbst ein Treffen.

Sehr hilfreich ist manchmal auch Abstand zu gewinnen. Nimm dir doch mal frei vom Spieleerfinden. Ich habe mir zum Beispiel dieses Jahr in Essen frei genommen. So hatte ich keine Termine mit Verlage um Spiele vorzustellen ausgemacht. Von Donnerstag bis Sonntag habe ich also durchgespielt. Die meisten von uns sind doch Spieleautoren geworden, weil sie selbst gerne spielen. Also dann mach mal wieder das, was dir Spaß macht.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Spieleerfinden. Macht euch locker und habt Spaß. Denn wie soll man etwas entwickeln das Spaß machen soll, wenn man selbst kein Spaß daran hat. Oder wie es Aristoteles ausdrücken würde „Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten“

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